Biopiraterie ist ein polemischer Begriff, der sich darauf bezieht, dass sich Konzerne Pflanzen, Tiere und deren Gene patentieren lassen, die in vielen Jahrhunderten oder Jahrtausenden von regionalen Gemeinschaften entdeckt oder gezüchtet worden sind.
So haben sie erreicht, dass Hunderttausende von Kleinbauern daran gehindert wurden, das in ihrer Kultur entwickelte Saatgut weiter zu züchten, und dass sie so in den Ruin getrieben wurden.
Anders als beim Land Grabbing wird bei Biopiraterie freilich keine Gewalt eingesetzt, und der Anfang ist von wissenschaftlicher Forschung gar nicht zu unterscheiden:
Wissenschaftler besuchen bisher unerforschte Gebiete - besonders erfolgreich sind sie wegen seiner Artenvielfalt im Regenwald - und befragen die Einheimischen, zum Teil Menschen, die noch im Steinzeitalter leben, nach ihren traditionellen Heilmitteln. Dann kaufen sie einzelne Exemplare bzw. tauschen sie ein, sie sind ja keine Diebe, und untersuchen sie im Labor auf die enthaltenen Wirkstoffe.
Sie sinddoch rechte Helfer der Menschheit, da sie ein Geheimwissen, das früher nur wenigen hundert oder tausend Menschen zur Verfügung stand, der ganzen Menshheit zugute kommen lassen - bzw. dem Teil der Menschheit, der die daraus entwickelten Präparate bezahlen kann.
Dass der Konzern, der diese Arbeit finanziert, daran verdienen will, muss man doch verstehen. Und der Einheimische ist ja bezahlt worden. Nicht wie früher mit Glasperlen, nein mit 50 Dollar oder gar 100 Euro, die der Einheimische erhält, wenn der Konzern seine 50 Millionen oder 2 Milliarden Dollar (oder Euro) Gewinn macht.
Was soll daran falsch sein?
In einzelnen Fällen gibt es freilich Ausnahmen. Das Europäische Patentamt hatte bereits ein Patent auf das Öl des indischen Niembaumes erteilt, das in Indien seit Jahrtausenden als natürliches Pflanzenschutzmittel verwendet wird. Doch dann kam es zu Protesten, bei denen auch Vandana Shiva, Trägerin des Alternativen Nobelpreises von 1993, mitwirkte. Ihre Kritik ist ganz grundsätzlich:
Nachdem der Kolonialismus in seiner ersten Auflage Kontinente erobert und ihre ursprünglichen Bewohner überfallen, ausgebeutet und versklavt habe, wende sich der neue Kolonialismus den Innenräumen der Körper zu. Leben dürfe nicht privatisierbar und patentierbar werden.
Inzwischen ist das Patent aufgehoben und das "geistige Eigentum" des Konzerns am heiligen Öl der Inder gilt nicht mehr.
Ob der Fall Schule macht? Wenn die Betroffenen keinen Druck aufbauen, wird das Europäische Patentamt sicher weiter den Konzernen solche Patente erteilen. (Zum Fall Basmatireis sieh hier!)
Literaturhinweis:
Michael Frein, Hartmut Meyer: Die Biopiraten. Milliardengeschäfte der Pharmaindustrie mit dem Bauplan der Natur. Berlin 2008, ISBN 978-3-430-30022-3
Links:
Kampagne gegen Biopiraterie
Kein Patent auf Leben
Patente auf Algorithmen und Leben (Seite des Netzwerks Freies Wissen)
Posts mit dem Label Biopiraterie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Biopiraterie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
24.6.10
21.6.10
Was ich nicht weiß
Beim Besuch der Ausstellung "abgeerntet" der entwicklungspolitischen Organisation Inkota habe ich erfahren, dass ich zu einigen Themen viel zu wenig weiß. Demnächst werde ich daher in Blogartikeln darüber informieren, was ich bis dahin über die unten angegebenen Themen und einige andere gelernt haben werde und nach und nach Links zu diesen Artikeln (Kurzinformation) und zu Organisationen, die sich mit diesen Themen beschäftigen, hier ergänzen. Zunächst verweise ich nur auf Info-Blätter von Inkota zu folgenden Themen:
Blogbeiträge:
Recht auf Nahrung und Ernährungssouveränität: Recht auf Überlebenskampf ohne Gewalt
Land Grabbing: Landraub in Wildwestmanier
Biologische Vielfalt
Biopiraterie
Hilft Gentechnik gegen Hunger?
Biosprit macht Hunger
Links:
Ausführliche Information zu "land grabbing" (englisch)
Aufruf zu Protest gegen Ausverkauf von Ackerland von Kleinbauern
Internationale Organisation von Kleinbauern zum Kampf für Ernährungssouveränität (englisch)
Nyéléni 2007 - Forum for Food Sovereignty. 23rd - 27th February 2007. Sélingué. Mali
Food First
Eine ausführliche Darstellung zu diesem Themenkomplex findet sich in:
Wilfried Bommert: Kein Brot für die Welt. Die Zukunft der Welternährung. Riemann Verlag (München) 2009. Orig.-Ausg., 1. Auflage. 351 Seiten. ISBN 978-3-570-50108-5
- Menschenrecht auf Nahrung
- Ernährungssouveränität
- Agrokraftstoffe
- Grüne Gentechnik
- Biopiraterie
- Biologische Vielfalt
Blogbeiträge:
Recht auf Nahrung und Ernährungssouveränität: Recht auf Überlebenskampf ohne Gewalt
Land Grabbing: Landraub in Wildwestmanier
Biologische Vielfalt
Biopiraterie
Hilft Gentechnik gegen Hunger?
Biosprit macht Hunger
Links:
Ausführliche Information zu "land grabbing" (englisch)
Aufruf zu Protest gegen Ausverkauf von Ackerland von Kleinbauern
Internationale Organisation von Kleinbauern zum Kampf für Ernährungssouveränität (englisch)
Nyéléni 2007 - Forum for Food Sovereignty. 23rd - 27th February 2007. Sélingué. Mali
Food First
Eine ausführliche Darstellung zu diesem Themenkomplex findet sich in:
Wilfried Bommert: Kein Brot für die Welt. Die Zukunft der Welternährung. Riemann Verlag (München) 2009. Orig.-Ausg., 1. Auflage. 351 Seiten. ISBN 978-3-570-50108-5
Labels:
Agrokraftstoffe,
Biodiversität,
Biopiraterie
Abonnieren
Posts (Atom)