Verzeichnis von Stolpersteinen
"Neunundsechzig Jahre und einundsiebzig Tage, nachdem die Jüdin Else Hecht aus ihrer Wohnung in der Motzstraße abgeholt wurde, bekommt der Lehrling Andreas Wünsch den Auftrag, für sie einen Gedenkstein in den Berliner Bordstein zu schlagen" so beginnt die Reportage in der Frankfurter Rundschau vom 10./11.12.11, die ich zur Lektüre empfehlen möchte.
Am 4. Januar 1995 verlegte Gunter Demnig, der das Konzept der Stolpersteine entwickelte die ersten Steine in Köln.
Inzwischen sind in ganz Europa über 30 000 verlegt worden.
Mein erster Hinweis auf Stolpersteine erfolgte in diesem Blog im Juli 2009.
Der Bericht der FR schließt:
"Danach stimmt Ruth Rotsteins Enkelin ein hebräisches Lied an. Man versteht nicht, wovon es handelt, aber es klingt so, als rufe sie all die Klagen hinaus, die Else Hecht ihrer Familie nicht schreiben durfte. Es zerreißt einem das Herz.
Der Lehrling Andreas Wünsch ist jetzt in der Schaperstraße, es ist die vorletzte Station vor seinem Feierabend. Er verlegt drei Steine für Max und Käthe Herrmann sowie ihre zwölfjährige Tochter Ilse-Ruth."
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23.8.11
Stolperstein: Kafkas Schwester Ottilie Davidová
"Nach allem, was wir über sie wissen, können wir uns vorstellen, daß sie, von den Kindern umgeben, helfend, tröstend, beistehend, über ihren eigenen Tod hinwegkam." So schreibt Alena Wagnerová in "Deutsche Schwestern", Berlin 1997 über Ottilie Davidová, Kafkas jüngste Schwester, seine Lieblingsschwester, in dem Abschnitt "Das ungeschriebene Leben" (S.305).
Wie kommt man über seinen Tod hinweg?
Was Wagnerová deutlich machen will: Ottilie hat sich von ihrem Mann scheiden lassen, um nicht ihre Töchter zu gefährden und nicht als Frau eines Ariers vor ihren Schwestern, die mit Juden verheiratet und daher schon deportiert waren, bevorzugt zu sein. Sie wollte anderen helfen, ihnen keine Bürde sein. Das ist ihr wohl bis zu ihrem Tod in Auschwitz gelungen.
Ottilie Davidová, einer der vielen Namen, mit denen wir nichts verbänden,wäre der ihres Bruders Franz Kafka nicht weltbekannt, und der einer Person zugehört, die uns ein großes Vorbild für unsere Lebensführung sein könnte.
Was wissen wir über die Personen, die diese Namen tragen? Könnten sie uns Vorbild sein?
Sie stehen an der Gedenkstätte auf dem Michaelsberg in Wiesbaden. Nicht jedes angegebene Todesjahr wird stimmen, man kennt es nicht. Man weiß nur, dass nach 1945 kein Mensch in Deutschland mehr allein deswegen ermordet wurde, weil er Jude war - wie Ottilie Davidová.
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Kafka,
Stolperstein
7.9.10
Stolper - Steine
Schon länger will ich einmal einen etwas ausführlicheren Artikel über Stolpersteine schreiben. Schon der Name gibt Anlass für Reflexion, denn man soll ja nur metaphorisch darüber stolpern, nicht in Wirklichkeit.
Deshalb sind sie in den Boden eingelassen - also barrierefrei - oder so hoch, dass man nicht darüber stolpern, sondern höchstens dagegen stoßen kann.
Aber aufmerksam werden, im Alltag einen Augenblick betroffen werden, weil man an das Verbrechen erinnert wird, das in Deutschland und in den von Deutschland beherrschten Gebieten millionenfach geschah, das sollte man.
So wie es mir ging, als ich an einem schönen Sommerabend beim Bohnenviertelfest in Stuttgart einen mir golden entgegenleuchten sah. Wie eine Ikone.
"Hier wohnte" und dann die Ermordungsdaten.
Hier nicht der Stuttgarter Name, sondern Heymann Jakoby, der in der Weststraße 8 in Kamen wohnte, weil ich ein wenig mehr über ihn weiß. Er heiratete Friederike Leeser, war der erste Kamener Fleischer mit einem Fleischerladen (1828), bekam 12 Kinder. Darunter Rosalia und Rosalie. War Rosalia gestorben?
Sein Sohn Moses übernahm die Fleischerei, wurde 1901 Obermeister der Metzgerinnung. Eine Erfolgsgeschichte.
Dessen einziger Sohn Hugo Jakoby (*1882) trat schon 1930 durch Unterstützung des Reichsbanners hervor und wurde deshalb bereits am 14.3.1933 verhaftet, dann wieder am 10.11.1938 in "Schutzhaft" genommen. Er zog nach Dortmund um, wurde 1942 nach Riga deportiert und im Juli 1943 ermordet.
Über weitere Opfer aus der Familie kann man in Stolpersteine in Kamen, Kamen 2008, S.30ff nachlesen.
Weniger trocken als in der Wikipedia wird man hier über die Stolpersteine Gunter Demnigs informiert.
Die Frankenpost über einen Stolperstein
Stolpersteine in Dresden
Stolpersteine zum 9.11.12 in Greifwald gestohlen - die symbolische Wirkung wird gesehen und versucht zu bekämpfen
Deshalb sind sie in den Boden eingelassen - also barrierefrei - oder so hoch, dass man nicht darüber stolpern, sondern höchstens dagegen stoßen kann.
Aber aufmerksam werden, im Alltag einen Augenblick betroffen werden, weil man an das Verbrechen erinnert wird, das in Deutschland und in den von Deutschland beherrschten Gebieten millionenfach geschah, das sollte man.
So wie es mir ging, als ich an einem schönen Sommerabend beim Bohnenviertelfest in Stuttgart einen mir golden entgegenleuchten sah. Wie eine Ikone.
"Hier wohnte" und dann die Ermordungsdaten.
Hier nicht der Stuttgarter Name, sondern Heymann Jakoby, der in der Weststraße 8 in Kamen wohnte, weil ich ein wenig mehr über ihn weiß. Er heiratete Friederike Leeser, war der erste Kamener Fleischer mit einem Fleischerladen (1828), bekam 12 Kinder. Darunter Rosalia und Rosalie. War Rosalia gestorben?
Sein Sohn Moses übernahm die Fleischerei, wurde 1901 Obermeister der Metzgerinnung. Eine Erfolgsgeschichte.
Dessen einziger Sohn Hugo Jakoby (*1882) trat schon 1930 durch Unterstützung des Reichsbanners hervor und wurde deshalb bereits am 14.3.1933 verhaftet, dann wieder am 10.11.1938 in "Schutzhaft" genommen. Er zog nach Dortmund um, wurde 1942 nach Riga deportiert und im Juli 1943 ermordet.
Über weitere Opfer aus der Familie kann man in Stolpersteine in Kamen, Kamen 2008, S.30ff nachlesen.
Weniger trocken als in der Wikipedia wird man hier über die Stolpersteine Gunter Demnigs informiert.
Die Frankenpost über einen Stolperstein
Stolpersteine in Dresden
Stolpersteine zum 9.11.12 in Greifwald gestohlen - die symbolische Wirkung wird gesehen und versucht zu bekämpfen
Labels:
Juden,
Judenverfolgung,
Stolperstein
3.7.09
Stolperstein Langstadt-Stern
Karl Langstadt (*12.3.1868 in Vosswinkel), Sohn des Metzgemeisters Joel Langstadt heiratete am 25.10. Johanna Stern (*23.5.1880 in Kamen). Karl war im Vorstand der Synagogengemeinde, Mitglied im Wirtschaftsausschuss des Stadtparlaments, DDP-Fraktion, 1942 nach Westerbork gebracht, am 14.5.1943 in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort ermordet.
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