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19.6.16

Bildung in der digitalen Welt

Strategie der Kultusministerkonferenz „Bildung in der digitalen Welt“
  Kommt jetzt endlich die richtige Bildungspolitik in Deutschland?
  (Lisa Rosas Kritik am Papier der KMK, 17.6.16)
"Diese Rede vom „Vorbereiten auf“ macht mich ja immer stutzig, denn die Menschen leben doch schon in der digitalisierten Welt, und das schon seit Jahren. Da kommt jede Vorbereitung schon rein zeitlich zu spät und kann doch nur als Begleitung gedacht werden. Es ist tatsächlich ein Hinweis darauf, dass noch gar nicht verstanden wurde, dass die digitalisierte Welt nicht erst nach der Vorbereitung betreten wird, sondern dass wir in ihr leben, ob wir es wollen oder nicht. [...]Ob es sich um die obszön niedrige Entlohnung von Erziehern und DaF-Lehrern oder um die miserable „student-staff-ratio“ in Deutschlands Schulen und Hochschulen handelt: Ohne einen dramatischen politischen Wechsel im Bereich der Personalressourcen wird auch diese neue „Strategie der ‚Bildung in der digitalen Welt‘“ nicht erfolgreich sein."

Einen Eindruck, worum es dabei praktisch geht, vermitteln die folgenden Publikationen:

Bundeszentrale zur politischen Bildung: "Notizen" aus der Welt der digitalen Bildung

ZUM-Wiki: Digitales Lernen; Digitale Medien

Das ZUM-Team im ZUM-Blog über eine Diskussion des Strategiepapiers zur digitalen Bildung der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin und eine gemeinsame Stakeholder-Konferenz von BMBF und KMK mit dem Titel „Digitaler Wandel in der Bildung: Perspektiven für Deutschland“ 

Der Blog Medienistik recht ausführlich zu denselben Veranstaltungen 




8.6.16

Studie zu digitalem Lernen

Computer sollen in den Klassenzimmern Einzug halten, faz.net 7.6.16.

"Welche Risiken birgt das? Ein Bericht des Bundestages will es nicht so genau wissen und redet der Industrielobby nach dem Mund.

2016 scheint das Appelljahr für die Digitalisierung von Schulen und Hochschulen zu werden. Industrie und Bundesregierung wollen die Bildungseinrichtungen wachrütteln. „Programmieren gehört auf alle Lehrpläne“, forderte Telekom-Chef Timotheus Höttges [...]

Allerdings seien „die eigentlichen Gefahren und Risiken für Kinder und Jugendliche“ aus den Augen verloren worden: Cyber-Mobbing, Sexting und Cybercrime. Deutschlands bekanntester Cyberpolizist, der Brandenburger Kriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger, vermisst kompetente Aufklärung an Schulen über das zurzeit beliebteste Kinderspielzeug, die digitalen Spiele. „Kommunikationsrisiken von Online-Games, bei denen Kinder mit ihnen unbekannten Erwachsenen spielen, werden kaum erwähnt“, sagt Rüdiger.
Aber auch beim Lernen selbst bekommt das Papier keine guten Noten. Digitales Lernen werde zu sehr als „geräte- und technikabhängiger Prozess verstanden“. Es müsse aber an seinem pädagogischen Nutzen für Schule und Unterricht gemessen werden, sagt René Scheppler, ein Vorreiter digitalen Lernens, der lange für die Digital-Initiative „D21“ Lehrerfortbildungen organisierte. In der Tat verwundern die Quellen der Autoren. Wichtigster Stichwortgeber ist ausweislich der Literaturliste die Industrielobby Bitkom."
Meine persönliche Sicht auf das "Appelljahr für die Digitalisierung von Schulen und Hochschulen" findet sich im vorigen Artikel, der weitere Kontext bei "Lobbyismus an Schulen".

3.6.16

"Zugang zum Internet so selbstverständlich wie Zugang zu Wasser"??

In meinem persönlichen Umfeld gelte ich nicht wenigen als internetsüchtig. Und bei unvoreingenommener Betrachtung meines Verhaltens konstatiere ich bei mir mehrere Gewohnheiten, die typisch für Suchtverhalten sind. Aber dass der "Zugang zum Internet so selbstverständlich wie Zugang zu Wasser" werden solle, halte ich für schlimmer als das Missverständnis der Metapher von Datenautobahnen als realen Straßen.
Hier der Kontext des Zitats, auf das ich mich beziehe.

Erstens, weil Wasser, Luft und Nahrung seit Millionen von Jahren unbedingte Voraussetzung  für das Überleben aller Säugetiere, die Menschen inklusive, waren. Und noch auf absehbare Zeit zwar der Fortbestand der heutigen Gesellschaften, nicht aber der der Einzelwesen vom Internet abhängt.
Zweitens, weil Wasser inzwischen für Millionen von Menschen weit weniger selbstverständlich ist als für uns der Zugang zum Internet, mit tödlichen Folgen. Nicht zuletzt aufgrund der Kriege um Zugang zu Wasser.

Natürlich ist das Internet für unsere Gesellschaft weit notwendiger als vieles, was heute oft als "alternativlos" bezeichnet wird. Und um differenziert meine Ansicht über die Wichtigkeit des Internets darzustellen, müsste ich mich seitenlang darüber ergehen, wie wichtig es ist.
Hier aber möchte ich dennoch erst einmal festhalten:
Der Zugang zu Wasser ist ein Menschenrecht, das leider für viele Menschen sehr infrage gestellt ist.
Der Zugang zum Internet ist es - zu Recht - noch nicht.

Anders als das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Aber das ist ein Thema, was hier ebenfalls nicht differenziert erörtert werden kann. Nur eine Formulierung von Sabine Leutheusser-Schnarrenberg möchte ich zitieren:
"Es geht um die grundgesetzlichen Freiheitsrechte, die die Grundlagen unserer Demokratie sind und die durch technische Entwicklungen nicht ausgehöhlt werden dürfen." (Big Data und Datenschutz. Kein Internet ist keine Lösung in: Das Netz. Jahresrückblick Netzpolitik 2015/2016, S.65)

31.1.16

Zukunft der Pädagogik: PLN oder Siri?

Fritz Breithaupt: Ein Lehrer für mich allein, ZEIT 2016/5, S.63f. beschreibt die maschinengesteuerte Individualerziehung der Zukunft (im Sinne von Rousseaus "Emile"), die aus Siri und ihre Weiterentwicklung erwachsen könnte.

Die erscheint mir für weniger begabte Schüler geeigneter als das PLN Lisa Rosas. (Das Problem bleiben freilich Datenschutz, Kosten und die erforderliche Big-Data-Menge im Hintergrund der Lehrer für die hunderte Millionen Schüler.)

Mehr dazu wird folgen.

15.12.15

Chancen der Digitalisierung für individuelle Förderung im Unterricht

Ich habe meinerseits schon über den Umgang mit digitalen Medien im Unterricht geschrieben.
Jetzt aber erscheint eine zusammenfassende Darstellung von 10 KollegInnen mit ihren Erfahrungen, die weit umfassender darstellt, was die Möglichkeiten sind.
Das Hauptproblem ist für mich beim Nachvollziehen: Ich kann mir nicht denken, dass schon viele Lehrer so fit im Umgang mit den digitalen Medien sind wie die, die hier schreiben.
Wer die vorgestellten Konzepte 1 : 1 umsetzen will muss es aber sein. Sonst ist Frustration wahrscheinlich. Aber die Anregungen scheinen mir sehr wertvoll. Für jeden.

Hier der Link zu dem Blog, wo die Arbeiten vorgestellt werden:

Chancen der Digitalisierung für individuelle Förderung im Unterricht 

28.9.15

Digitale Bildungsrevolution?

Werbungsvideo der Bertelsmannstiftung "Passend für jeden – Wie maßgeschneidertes Lernen möglich ist"

Die Seite der Berstelsmannstiftung zum Thema

Leseprobe zum Buch, für das Werbung gemacht wird.

Ausschnitt aus der Leseprobe:
"Ein Investmentbanker erklärt seiner Cousine in selbstgedrehten Videos die Mathematik und wird im Netz zum ersten Popstar der Bildungsszene. Eine Universität arbeitet mit Software, die für jeden Studierenden die optimalen Fächer ermittelt, inklusive der voraussichtlichen Abschlussnoten. Ein Konzern lässt seine Bewerber in einem virtuellen Restaurant Sushi servieren, weil das Computerspiel ihren beruflichen Erfolg vorhersagt. Das ist die digitale Zukunft des Lernens."

Mir ist das Ganze in hohem Maße suspekt. Denn hier wird - aus meiner Sicht - Reklame für Computer gemacht, nicht für Lernmethoden.

Seit langem wird Individualisierung gefordert. Dafür dass sie über Computer mittelfristig Lernmotivation aufrechterhalten kann, kenne ich kein Beispiel.

Sacha Lobo dazu:
"Die nullte Regel der digitalen Gesellschaft heißt: Nichts geht von allein. Alles muss mühsam erarbeitet werden. Die destruktive Hybris, der im Bildungsbereich sowohl Netzskeptiker wie auch Netzenthusiasten erliegen, liegt darin: Einfach Internet und Bildungssystem irgendwie verrühren, dann wird es gut (Enthusiasten) oder schlecht (Skeptiker)."

Meine persönlichen Erfahrungen
"Für mich persönlich am wichtigsten: Ein Kollege, den nicht nur ich für weit fähiger halte als mich, ließ sich von mir anregen, genauso wie ich mit seiner Klasse im ZUM-Wiki zu arbeiten (dafür gibt es inzwischen die Kurs- und Klassenseiten und zwar über 350). Und er berichtete mir nachher, seine Schüler hätten das als sehr hilfreich empfunden und ihn gefragt, weshalb er das nicht schon früher mit ihnen gemacht habe. (Meine Schüler empfanden die Arbeit im ZUM-Wiki, wenn ich es richtig sehe, eher als eine persönliche Marotte von mir.)
Darüber hinaus kann ich auch sonst vor allem über Unterricht von anderen berichten, den ich im Netz mitverfolgen konnte und der mir sehr imponiert hat. (zum Beispiel: Lernpfade,  Romantische Schule)"
Immer waren es die Unterrichtsideen und das Engagement der Lehrer, die sich als hilfreich erwiesen. Die Möglichkeiten des Internet waren stets nur Hilfe zu ihrer Realisierung. 
mehr zur Bedeutung von Motivation
Liste der 50 beliebtesten MOOCs
Eine Publikation zum Thema mit nützlichen Anregungen bietet Lehrende arbeiten mit dem Netz (kostenloser Download möglich).

16.9.15

Lernen mit digitalen Medien

Sascha Lobo: Digitale Schule: Vernetzung stark gefährdet, SPON 16.9.15

Der Tenor vieler Medienberichte ist: "Computer machen den Unterricht nicht automatisch besser." Das fasst die verbogene Rezeption in der Öffentlichkeit gut zusammen. Der Inhalt dieses Satzes ist verräterisch. Er steht für eine verbreitete gesellschaftliche Erwartungshaltung, das gegenwärtige Bildungssystem plus Computer oder Internet ergäbe automatisch irgendetwas. Als würde man ein Pfund Baumwolle und ein Schnittmuster in eine Schüssel werfen und hoffen, es würde dabei ein T-Shirt herauskommen.
Die nullte Regel der digitalen Gesellschaft heißt: Nichts geht von allein. Alles muss mühsam erarbeitet werden. Die destruktive Hybris, der im Bildungsbereich sowohl Netzskeptiker wie auch Netzenthusiasten erliegen, liegt darin: Einfach Internet und Bildungssystem irgendwie verrühren, dann wird es gut (Enthusiasten) oder schlecht (Skeptiker). [...]
Es geht vielmehr darum, dass sich durch das Internet das Lernen selbst dramatisch verändert. Das Internet ist eine gigantische Lernmaschine. Man kann es kaum nutzen, ohne zugleich das Konzept des ständigen, lebenslangen Lernens zu verinnerlichen. Dazu wandelt sich die digitale Sphäre zu schnell.
Es ist diese konzeptionelle Veränderung der Welt, die das Bildungssystem so antiquiert erscheinen lässt. [...]
Wer nur für fünf Cent daran glaubt, dass das Bildungssystem auch die Aufgabe hat, die Lernenden auf die berufliche und gesellschaftliche Zukunft vorzubereiten, kann daher nicht ernsthaft über das "Ob" der Verschmelzung von Internet und Bildungssystem diskutieren, sondern nur noch über das "Wie". [...]
Es ist ja nicht so, als würden die Aufgaben, die das Bildungssystem zu erfüllen hat, weniger. Im Gegenteil. Nicht nur der zukünftige wirtschaftliche und intellektuelle Erfolg des Landes hängt essenziell davon ab. Sondern zum Beispiel auch, ob es gelingt, die Millionen Flüchtlinge und Einwanderer der nächsten Jahre einigermaßen geschmeidig in die Gesellschaft zu integrieren. [...]

Zur Ergänzung:

Digitale Kompetenzen Noch ein Pisa-Schock, faz.net, 16.9.15

"Eine OECD-Studie sieht keinen merklichen Leistungsvorsprung durch E-Learning. Grundlagen in den klassischen Fächern wappnen Schüler besser für die digitale Welt als Computer im Klassenzimmer."

Eine Publikation zum Thema mit nützlichen Anregungen bietet Lehrende arbeiten mit dem Netz (kostenloser Download möglich).

Meine Position zum Thema:
Mein mediendidaktisches Konzept (2009)
Vorteile des Einsatzes digitaler Medien (2015)
Bildung: Wilhelm von Humboldt, Lernen durch Lehren, Internet (2015)


4.8.15

Bildung: Wilhelm von Humboldt, Lernen durch Lehren, Internet

Was Humboldt und Internet als Lehrmeister unterscheidet, ist gar nicht so neu.
Es ist schon in dem gegensätzlichen Ansatz von Platon und Aristoteles vorgebildet: Platon, der den Lehrer für so wichtig hält, dass er seine gesamte Philosophie seinem Lehrer Sokrates in den Mund legt, so dass wir die Mühe haben, zu unterscheiden: wo spricht Platon und wo spricht Sokrates?
Und andererseits Aristoteles, der die Erfahrungswelt betrachtet und sie zu ordnen und verstehen sucht.
Platon kommt zum Ergebnis, dass Philosophen die Könige sein sollten (vgl. dazu Poppers Kritik, der Platon totalitäre Züge unterstellt), und Aristoteles schließt, dass Sklaven keine Menschen sind, weil ihnen die Freiheit nicht über alles geht.

Ein ähnlich unterschiedliches Paar finden wir an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert in Wilhelm von Humboldt und Georg Forster. Wilhelm kennt schon als Kind keine größere Freude, als die alten Griechen zu studieren, Georg, den sein Vater erst nach Russland und dann nach England mitnimmt, übersetzt als Dreizehnjähriger  Lomonossows Kurze Russische Geschichte vom Russischen ins Englische, was "in wissenschaftlichen Kreisen lobende Anerkennung fand" (Wikipedia), und segelt als Siebzehnjähriger mit James Cook um die Welt und begründet bei dieser Gelegenheit die deutsche Ethnologie. Ja, er "verirrt" sich als revolutionärer deutscher Jakobiner so weit in die Praxis, dass er in der Zeit des beginnenden Terreur in Paris stirbt (freilich nicht unter der Guillotine, sondern an Lungenentzündung). 
Alexander von Humboldt nimmt sich nicht seinen großen Bruder Wilhelm zum Vorbild, sondern Georg Forster, den er auf seiner Reise an den Niederrhein, Frankreich und England begleitet und dann seinen großen Lehrer nennt. Wilhelm vertieft sich in die Sprachwissenschaft als die Grundlage des Denkens, Alexander studiert Geographie durch Reisen.
Wilhelm von Humboldt betont die Einheit von Forschung und Lehre, Jean-Pol Martin meint man lerne nur recht durch Lehren und lässt sich deshalb in New York von seinen Schülern sagen, was er dort tun soll. Möglich wird das erst durch Telekommunikation, wie überhaupt das Erfahrungslernen im Team, das Martin propagiert, wesentlich von den Möglichkeiten des Internets profitiert. 
Freilich - und hier hebt sich der Gegensatz Lernen vom Lehrer und Erfahrungslernen wieder ein Stück auf - er organisiert als Lehrer die Lehrsituationen, an denen die Schüler lernen sollen.* 

Eine lange Einleitung für die Vorstellung des Circle, in dem das Leben in der Community der vom Rousseauschen Bildungsideal geprägten Selbstfindung gegenübergestellt wird. 

Worauf ich hinaus will, ist, dass es einseitig wäre, Allgemeinbildung unter Berufung auf Bildung zu verdammen oder der Reformpädagogik abzuschwören, weil wir das Internet haben, oder auf digitale Medien zu verzichten, weil wir ohne Lehrer nicht auskommen. Doch dazu mehr bei anderer Gelegenheit. 

Hier nur eine Andeutung.
Jörg Dräger und Ralph Müller-Eiselt schreiben in ZEIT online unter der Überschrift Humboldt gegen Orwell
"Die Digitalisierung verändert die Bildung so stark wie zuvor nur der Buchdruck und die Schulpflicht. [...]

Humboldt hätte an der Digitalisierung Gefallen gefunden. Der große Reformer des 19. Jahrhunderts wollte "Bildung für alle" als Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben und schuf in Deutschland das allgemeine Schulwesen. Sein lange unerfülltes Ideal: Wer gut ist, kommt weiter, egal, wo er herkommt. Diese Demokratisierung wird jetzt möglich. Dank digitaler Hilfsmittel erhalten bisher Abgehängte Zugang zu günstiger und personalisierter Bildung, Können wird wichtiger als Herkunft oder Titel. [...] 
Jeder hier brauchte eigentlich seinen auf ihn persönlich zugeschnittenen Unterricht. Seit vier Jahren bekommen alle Schüler genau das. New Classrooms heißt das Konzept, das auf digitalisierte Lerneinheiten statt Frontalunterricht setzt, um jeden bei seinem Wissensniveau abzuholen. In einem riesigen Raum, der sich über ein ganzes Stockwerk erstreckt, lernen etwa neunzig Schüler Mathe an wechselnden Stationen: Die einen schauen Videos, die anderen nutzen Lernsoftware, andere arbeiten in Gruppen oder sprechen mit dem Lehrer. Das Besondere ist allerdings nicht, wie vielfältig die Lernmethoden sind, sondern die automatisierte Personalisierung: Am Ende eines Tages legt jeder Schüler einen kurzen Onlinetest ab. So kann ein Zentralcomputer in Manhattan über Nacht errechnen, welcher Schüler noch nacharbeiten muss und welche Methode die beste dafür ist. Daraus entsteht ein individueller Lernplan für den nächsten Tag, den die Schüler morgens über große Monitore an den Wänden erfahren. Die Technik macht den Lehrer hier nicht überflüssig, sie verändert aber seine Rolle: vom Wissensvermittler zum Lernbegleiter."

Ich zweifle daran, ob die Verfasser jemals einen MOOC und im Vergleich dazu einen cMOOC mitgemacht, dass sie ein Barcamp mitgestaltet haben. Zu Recht?

*Georg Forsters Vater hat (ähnlich wie und anders als Martin) für seinen Sohn ungewöhnlich anregende Lernsituationen geschaffen. Nur weil Georg schon als Vierzehnjähriger sich intensiv in die deutsche, die russische und die englische Kultur eingelebt hatte, konnte er als Siebzehnjähriger die Weltreise dafür nutzen, Ethnologe zu werden. - Freilich James Cook war dabei als Lehrmeister unersetzlich. Denn einerseits schuf er als erfolgreicher Weltumsegler auf seiner zweiten Weltreise Lernsituationen, wie sie damals kein anderer bieten konnte, andererseits ist kaum vorstellbar, dass Georg (und sei es auch nur durch Vermittlung seines Vaters) nicht vom Wissen Cooks profitiert hat. Sein Aufsatz über Cook zeugt jedenfalls davon, dass er sich bewusst war, mit welcher Ausnahmepersönlichkeit er da unterwegs war. 

vergleiche auch:

„Lehrer oder Lernbegleiter: Kontrollverlust als Programm“ #EDchatDE


6.6.15

Kann sich der Einsatz digitaler Medien im Unterricht positiv auf das Lernen der Schüler auswirken?

Da ich von Christian Ebel zu einer Blogparade mit dem oben genannten Titel eingeladen worden bin, will ich gern etwas dazu schreiben, auch wenn ich  für die Beantwortung der Frage nur bedingt geeignet bin. 
Vor allem will ich gern dazu beitragen, dass diese Blogparade noch besser bekannt wird.
Aber ich habe auch einige positive Erfahrungen gemacht. Die beziehen sich freilich nur auf gut zwei Schuljahre, und die liegen lange zurück (2005/06 und 2006/07).

Was sind meine positiven Erfahrungen?
Eine Schülerarbeit aus der 8. Klasse, die ich damals ins Netz gestellt habe, ist inzwischen über 98 000 mal abgerufen worden.
Aus der Arbeit einer 11. Klasse ist ein Wikipediaartikel entstanden, der in den letzten 90 Tagen über 2000 mal abgerufen worden ist.
Ein Schüler der 13. Klasse, der sich in einer über 100 km entfernten Schule einsam auf seine Abiturprüfung vorbereitete, wurde durch die Arbeiten meiner 13. Klasse angeregt, auch seine Abiturvorbereitungen ins Netz zu stellen.
Für mich persönlich am wichtigsten: Ein Kollege, den nicht nur ich für weit fähiger halte als mich, ließ sich von mir anregen, genauso wie ich mit seiner Klasse im ZUM-Wiki zu arbeiten (dafür gibt es inzwischen die Kurs- und Klassenseiten und zwar über 350). Und er berichtete mir nachher, seine Schüler hätten das als sehr hilfreich empfunden und ihn gefragt, weshalb er das nicht schon früher mit ihnen gemacht habe. (Meine Schüler empfanden die Arbeit im ZUM-Wiki, wenn ich es richtig sehe, eher als eine persönliche Marotte von mir.)
Darüber hinaus kann ich auch sonst vor allem über Unterricht von anderen berichten, den ich im Netz mitverfolgen konnte und der mir sehr imponiert hat. (zum Beispiel: Lernpfade,  Romantische Schule)

Daher antworte ich auf die Alternativfrage des Titels: Ja.

Die Fragestellung verdient freilich eine ausführlichere Behandlung.
Im Augenblick lässt es aber meine Arbeitssituation  nicht zu, die verschiedenen Positionen gegeneinander abzuwägen. Daher belasse ich es vorerst bei diesem Erfahrungsbericht, füge aber einige ergänzende  Berichte und Stellungnahmen hinzu.

Ich behalte mir vor, auf das Thema zurückzukommen, wenn meine Voraussetzungen wieder günstiger sind.

Statt dessen zunächst einmal ein paar Verweise auf andere Beiträge zur Blogparade, auch wenn ich gegenwärtig außerstande bin, sie vollständig mitzuverfolgen. (Wichtiger als mein Beitrag ist alles hier Genannte.)

Dazu:
Ein Beitrag von Andreas Kalt, der die Frage vorbildlich umfassend angeht:

Mit digitalen Medien besser lernen? Mein Beitrag zur Blogparade

darin u.a.:
"Durch die gemeinsamen Notizen der Schüler bekomme ich einen Einblick in deren inhaltliches Verständnis der Unterrichtsthemen, aber auch in ihre methodischen Fähigkeiten (zusammenfassen, formulieren, strukturieren etc.), so dass ich regelmäßig Wiki-Beispiele im Unterricht bespreche, um unklare Punkte auszuräumen oder besonders gute Aspekte hervorzuheben.
Das Wiki ist unser gemeinsam geführtes Heft, jedem Schüler steht es frei, auch seine persönlichen Notizen aus dem Unterricht auf einer persönlichen Seite im Wiki zu schreiben oder parallel ein Papierheft zu führen."
Karl Kirst:

Philippe Wampfler:
Haben digitale Medien einen Mehrwert für das schulische Lernen?
"Die Frage setzt voraus, dass bekannt ist, was »schulisches Lernen« ist. Damit wird davon ausgegangen, dass sie nur im Rahmen eines schulischen Settings beantwortet werden kann, das mit bestimmten Annahmen gekoppelt ist, z.B.:
  • Das relevante, interessante Lernen ist das schulische.
  • Die Rollenverteilung von Lehrkräften und Lernenden ist gegeben.
  • Das Schulhaus als Raum mit Klassenzimmern, in denen Präsenzlektionen abgehalten werden, stellt den Lernort dar.
  • »Lernen« ist leistungsbezogen: Es führt zu einem Output, der z.B. in Prüfungen messbar ist und zu Abschlüssen und Qualifikationen führt. [...]"
"Mit Tablet und Handy wird der Mathematik-Unterricht für die Schüler des Franz-Stock-Gymnasiums in Arnsberg anschaulicher. [...]"

  1. Eine große Chance sehen wir darin, die knappe Zeit im Plenum sinnvoller und effizienter nutzen zu können, da durch digitale Übungen mit automatisiertem Feedback (z. B.LearningApps, Moodle-Tests, …) ineffektive (da kaum individualisierte) Vergleichs- und Sicherungsphasen gespart werden können (z. B. zähe Übersetzungsvergleiche im Lateinunterricht: http://www.dgipad.net/blog/2014/12/5/bersetzungsarbeit-mit-baiboard).
  2. Größere Transparenz und Interaktion: [...]
"[...] ging es darum, dass die SuS eines Grundkurses Geschichte ihre schriftlichen Quellenanalysen ins Blog stellen sollten. Alle SuS hatten dann im Rahmen einer Arbeitsphase die Aufgabe, in Partnerarbeit mindestens drei andere Analysen zu kommentieren, positive sowie negative Aspekte herauszustellen und Verbesserungsvorschläge zu machen. Der Grund für dieses Herangehensweise war, dass ich es in meinem normalen Unterricht niemals schaffe, alle Übungstexte eines kompletten Kurses durchzulesen und sinnvoll zu kommentieren (weshalb man ja auch schon in der analogen Welt dazu übergeht, sogenannte „Schreibkonferenzen“ abzuhalten). Diese Situation empfinde ich bis heute als sehr unbefriedigend, weil ich ja gerne sowohl den ganz schwachen SuS Unterstützung bieten möchte, aber auch den Schülerinnen und Schülern, die schon ganz ordentliche Texte schreiben. Selbst den besten Schülern kann man immer einen Tipp zur Verbesserung oder Optimierung auf den Weg geben. [...]"
https://cspannagel.wordpress.com/2015/06/14/danke-digitalfoto/ 

http://www.rete-mirabile.net/lernen/blogparade-digitale-medien/

Warum digitale Medien nutzen? http://frauschuetze.de/?p=6799 25.7.2015



Andererseits eine Gegenposition: 
"Immer öfter vernimmt man ernüchternde Berichte über die Erfolge der digitalen Bildungsformate. Studenten brechen diese Veranstaltungen ab bzw. nutzen die Angebote zu selten.
 Zuletzt kam ein Beitrag in einem internationalen Wissenschaftsjournal beispielsweise zu dem Schluss, dass Reiche diese Technologien nicht brauchen werden und Arme zu wenig motiviert sind, diese zu nutzen.
 Technologie alleine kann also dieses Problem - so der Autor - nicht beheben. Aber wo liegt denn nun das Problem?
 Der Verfasser des Beitrags nannte hier vor allem die fehlende Motivation und Peer Pressure. [...]
In einem Interview aus dem Jahre 1989 antizipierte der berühmte Science Fiction Autor Isaac Asimov nicht nur die Grundzüge des Internets, er war auch überzeugt, dass nun für das Lernen völlig neue Zeiten anbrechen würden.
Jeder könne dann direkt auf Wissensquellen zugreifen, Fragen stellen und in seiner Geschwindigkeit ohne standardisierte Curricula lernen, was „einen interessiert".
Das klingt natürlich utopisch, aber Asimov hatte wie kein anderer erkannt, dass digitales Lernen auch etwas mit der Wiederentdeckung der Freude am Lernen zu tun haben wird. „Es sei dann" so Asimov „eigentlich egal, welches Thema einen interessiere." Weil der Zugang, wenn er einmal gefunden sei, früher oder später zu einem anderen Themengebieten führe."
Experten-Befragung von Schulleitern zur Nutzung digitaler Medien, 14.7.15
Was den Schulleitern grundsätzlich Sorgen bereitet, sind die verschiedenen Formen des Mobbings in sozialen Medien wie z.B. WhatsApp, Instagram und Snapchat: Die reichen vom harmlosen Bloßstellen bis zur bösartigen Verleumdung – oftmals auch von Schülern außerhalb der eigenen Schule. Nachdem vor einigen Jahren auch manche Lehrer zur Zielscheibe negativer Äußerungen im Web wurden, leiden heute vor allem die Schüler selbst darunter. [...] Obwohl die Kollegen nach Beobachtung der Schulleiter im Privatleben selbstverständlich digitale Medien nutzen, sind sie bei deren Verwendung im Lehr- und Lernkontext häufig unsicher – insbesondere wenn es um Social Media wie Facebook, WhatsApp oder Snapchat geht. Eine systematische Qualifizierung für Lehrer wäre sicherlich hilfreich. [...] So lässt sich zusammenfassend feststellen, dass unzureichende Lehrerfortbildung, fehlende didaktische Konzepte, Vorbehalte und Bedenken seitens der – nicht nur älteren – Lehrerschaft sowie ungenügende Finanzierungsmöglichkeiten für Betrieb, Support und Lernsoftware die derzeit größten Herausforderungen in Sachen Digitale Schule darstellen. Auf der anderen Seite stehen große Hoffnungen und Erwartungen mit Blick auf einen modernen und motivierenden digitalen Unterricht [...]

Die Schule probt den digitalen Hochsprung FAZ, 24.7.2015

In der Debatte um digitale Bildung arbeiten sich beide Seiten an Karikaturen ihrer Gegenspieler ab. Und im Hintergrund lauert das große Geschäft. 23.07.2015, von F. KÜCHEMANN
[...] Die Schulforscherin Birgit Eickelmann von der Universität Paderborn, mit Bos zusammen Leiterin der nationalen Erhebung besagter ICILS-Studie, stellte im Gespräch mit dieser Zeitung fest, „dass wir in Deutschland gerade ein Drittel der Schüler auf dem Weg in die Informations- und Wissensgesellschaft vollkommen verlieren und dass wir uns den Luxus erlauben, das Potential einer ganzen Schülergeneration zu vergeuden“. Diejenigen Lehrer, die gern neue Technologien nutzen wollten, fänden im Moment nicht die geeigneten Rahmenbedingungen vor, die modernes Lehren und Lernen überhaupt ermöglichten. Und annähernd dreißig Prozent der in Deutschland befragten Lehrer fänden der Studie zufolge gar, ihre Schüler würden durch den Einsatz digitaler Medien vom Lernen abgelenkt.
Eine Meinung, die leicht angestaubt wirkt. Dabei gibt es für sie durchaus zeitgemäße Argumente - aus der Hirnforschung, der Entwicklungs- und der Motivationspsychologie zum Beispiel, wie Gerald Lembke und Ingo Leipner in ihrem Buch „Die Lüge der digitalen Bildung“ (Redline Wirtschaft, München 2015) ausführen. „Digitale Medien stressen (...) erheblich den Arbeitsspeicher des Stirnhirns“, postulieren sie, „weil sie ihn gleichzeitig mit zu vielen Reizen bombardieren. Dadurch erlahmt unmerklich die Konzentration - und auch die willentliche Bereitschaft schwindet, die neuen Lerninhalte mit vorhandenem Wissen zu kombinieren.“  [...]

23.9.11

Über den Segen von G9

Sie hat nachgewiesen, dass man bei solider Grundbildung in den ersten acht Schuljahren gut auf eine Menge des Oberstufenunterrichts und der Arbeit dafür verzichten kann und trotzdem ein gutes Abitur machen kann bei einer Nebentätigkeit von 800 Stunden im Jahr.
Viviane Cismak, die während der Abiturvorbereitungen ihr zweites Buch schrieb: Schulfrust.
Natürlich hat sie das nur für ihre Person nachgewiesen, nicht für andere, die mit Handicaps in die Schule kommen und denen auf dem Weg nicht geholfen wird, sie zu überwinden.
Hier ein Interview
Ihr Bruder hat keine Bücher geschrieben, aber er war Leistungsschwimmer, bis auf G8 umgestellt wurde.
Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir, hat schon Seneca über G8 gesagt. Genau genommen nur über die von der Kultusministerkonferenz aus Angst vor Kritik an Niveauverlust beschlossene "Reform", mit zu viel Unterricht und zu wenig Zeit für Erfahrungen und Lernen. Aber kennen wir denn schon eine andere?
Schüler aus der 9. Klasse sagten mir: Der Vorzug von G8 ist, dass wir schon in der Unterstufe auf den Nachmittagsunterricht der Oberstufe vorbereitet werden. Dann ist das nicht mehr so ein Schock.

Viviane Cismaks erstes Buch "Deutschlands Kinder" mit Erzählungen über Kinderarmut, scheint es nur noch antiquarisch zu geben. (Kurzvideo)

16.6.11

Über die Gefahren von Computerschach und anderen Computerspielen

Unregelmäßig, aber mindestens einmal alle halbe Jahr komme ich dazu, mit einem Menschen Schach zu spielen. Vorher unterhalten wir uns, aber wir versuchen doch auch noch die Zeit für ein oder zwei Spiele herauszuschinden. Dann fahre ich des öfteren im Dunkeln nach Hause, obwohl ich das sonst zu vermeiden suche.
Mit meinem Computer kann ich auch Schach spielen. Er hat mir noch nie eine Revanche versagt. Das kann sich hinziehen.
Aber trotzdem versuche ich mich an einer Rechtfertigung für den Zeitverbrauch:

Relativ wenige Brettspiele sind darauf angelegt, Tötungshemmungen abzubauen, Computerspiele der Art gibt es einige. - Ich weiß, dass die wenigsten Spieler solcher Spiele in die Gelegenheit kommen werden, auszuprobieren, ob die Spiele in der Hinsicht effektiv sind.
Wenn man aber nachts bis um 4:00 um sein Leben gekämpft hat, sind am nächsten Morgen Dreisatzaufgaben nicht eben der Thrill.
7.-Klässler lassen sich solche Spiele von ihren Großeltern schenken. So können sie oft vermeiden, dass irgend jemand mitbekommt, was sie da tun. Da meine Kinder alle erwachsen sind, habe ich freilich noch nie ausprobiert, wie ich auf solche Spiele reagieren würde. Mir reichen Berichte von anderen Erwachsenen, die sie mit Interesse gespielt haben.
Natürlich lassen sich mit Computerspielen Lernstoffe erarbeiten und Fähigkeiten trainieren. (vgl. z.B. für Geschichte)

Nachtrag vom 17.6.:
Ich habe einen Bericht eines amerikanischen Ausbilders gelesen, wonach die gezielten Todesschüsse auf Gegner am Anfang des Vietnamkrieges etwa auf dem Niveau lag, das man auch für den 2. Weltkrieg annimmt, etwa 10%. Durch Einsatz der Schulungssoftware habe sich die Quote auf etwa 90% erhöhen lassen. Diese Schulungssoftware sei der Urahn heutiger Computerkampfspiele.
Bei Gelegenheit kann ich mal danach googeln.
Berichte aus dem weiteren Bekanntenkreis über die Faszination von Computerkampfspielen für sozial gut integrierte, vielseitig engagierte, u.a. durch Orchester, Sportverein und Mitarbeit in der Schülervertretung beschäftigte Schüler lassen mir wenig Hoffnung, dass sozial schlecht integrierte Schüler mit wenig Erfolgserlebnissen in "real life" der Faszination wesentlich besser widerstehen.
Es ist richtig: Sämtliche "Vorurteile über die sozialvereinsamten vor dem PC [haben sich] in Luft aufgelöst." Nur der Motivationsverlust auch der sozial gut Integrierten ist erschreckend.
Und die bleiben weiterhin die, auf denen zu Recht die Hoffnungen ruhen.

29.4.11

OpenCourse 2011

Ich möchte auf OpenCourse 2011 aufmerksam machen, eine Internetveranstaltung, die von der Uni Frankfurt ausgeht und sich folgende Ziele gesetzt hat:

Blick auf Lernen in der Mediengesellschaft
                 Möglichkeiten
                 und Gefahren/Herausforderungen
Alles Weitere findet sich dort und unter dem Twitteraccount http://twitter.com/#!/search/opco11

Die Video-Streaming-Plattform findet sich hier: http://www.ustream.tv/channel/opco11

Da ich einen Teil der Beteiligten kenne, verspreche ich mir anregende Beiträge. Wie weit ich mich an der Diskussion beteiligen kann, übersehe ich bisher noch nicht.

Zwar habe ich schon vor zwei Jahren mein medienpädagogisches Konzept formuliert und so einige Artikel zu Lernen 2.0 und Web 2.0 geschrieben. Ich hoffe, dass ich angeregt werde, umzudenken und neue Positionen einzunehmen.

30.1.11

"Sie haben mich falsch auf das Studium vorbereitet!"

Ein konsequentes Lehrerlob und gut formuliert: Sie haben immer Transfer gefordert, an der Uni ist nur Auswendiglernen gefragt.
Die Lehrerantwort kann man sich danach fast schon vorstellen: "Charlotte, ich bleibe dabei: Du schaffst es schon! Den von Dir so vermissten Transfer hast Du schon selbst geleistet. Du hast erkannt, dass Lehranstalten und universitärer Massenbetrieb einem niemals das vermitteln können, was in einem selbst als Talent und Passion angelegt ist und wofür man sich zu engagieren bereit ist. [...] Gehe Deinen Weg und lass Dich nicht verbittern, ich bin es auch nicht."

Stört den Germanisten nur, dass der Imperativ von "gehen" einmal "geh!" hieß, bis die Ampeln ohne Ampelmännchen beschriftet waren mit rot: "Warte" und grün: "Gehe". - Da ist wohl mit dem Transfer etwas schief gelaufen. Aber das gehört nun wirklich nicht hierher.
Wenn man nicht so gelobt worden ist, lag's vielleicht nicht nur am Engagement (daran gewiss auch), sondern vielleicht auch an einem Schuss Pragmatismus. Für gute Schüler nicht unbedingt das Richtige. Man lese Loki Schmidt, eine Schülerin, die die beste Reklame für ihre Schulen war, die man sich denken kann.

14.11.10

Eindrücke von der ZUM-Tagung am 13./14.11.2010

Ungewöhnlich war an der Tagung, wie viele Gäste sie bereichert haben. Freilich kein Wunder, wenn man ihr Motto kennt: "Erfahrungen austauschen – Kontakte knüpfen – Schule weiterdenken".So waren gleich zwei Vertreter von 4teachers gekommen, Rüdiger Hamm und Bernd Dumser. Und sie verstanden sich mitnichten als Rivalen der ZUM, sondern waren an Zusammenarbeit interessiert. Und dazu wird es wohl schon deswegen kommen, weil Bernd Dumser Mitglied der ZUM werden will.
Interessant war es, abends bei Bier und Wein zu hören, wie sie zum Programmieren des ersten Internetauftritts von 4teachers gekommen waren ...
Christian Ebel, streng genommen eigentlich kein Gast mehr, stellte uns sein Vielfalt-lernen-Wiki vor und verwies uns darauf, dass mit zunehmender Heterogenität der Schüler (gegenwärtig haben etwa 30% der Schüler Migrationshintergrund, und die Tendenz weist eindeutig nach oben) individuelle Förderung immer wichtiger werden wird.
Jürgen Wagner bot uns an, auf seinem Forum, einer gemeinsamen Initiative von Schleswig-Holstein und Saarland, online Fortbildungsveranstaltungen der ZUM abzuhalten. Eine hat schon stattgefunden, ohne dass es den ZUM-Mitgliedern recht bekannt geworden ist, denn Ralf Klötzke hat dort schon online über Wiki im Fremdsprachenunterricht referiert.
Thomas Rau, der Verfasser des Blogs Lehrerzimmer berichtete darüber, wie er zum Bloggen kam. (Er dürfte einer der wenigen Internetfreaks sein, die von ihrer Frau darauf gestoßen worden sind, ihr weniger zu erzählen und mehr im Netz über seine Erlebnisse zu berichten.) Ihm geht es darum, an seiner Schule Web 2.0 voranzutreiben. Dafür schämt er sich nicht, Vorzeigbares aus seinem Schulalltag und was ihm dabei Spaß gemacht hat, zu präsentieren und auf Blogs von Schülern und Kollegen hinzuweisen, ist aber mit dem Erfolg seiner Bemühungen noch nicht so ganz zufrieden.
Uwe Kohnle ist bei der ZUM wie auch die folgenden Präsentatoren nichts weniger als ein Gast, doch wies er kurz auf seine Lernmodule hin, die man auch auf der eigenen Webseite einbinden kann.
Heinz-Willi Jansen stellte die Homepage seiner Schule vor und wies darauf hin, wie es ihnen gelungen ist, Schülerkommunikation im Netz über ihre Homepage laufen zu lassen.
Robert Roseu kam erst später dazu, seine Idee vom USB-Stick, der den Schüler durch seine Schullaufbahn begleitet, vorzustellen und ermöglichte dabei nebenbei auch Einblick in seine Materialien bei der ZUM.

Diskussionspunkte waren:

* ZUM-Unity: Dazu vgl. meinen Blogbeitrag zum ZUM-Unity-Wunschzettel

* Förderung von Web 2.0 in der Bildung: Dabei wurde zum einen auf online Fortbildungsveranstaltungen, die die ZUM halten könne, zum anderen auf den Tag des digitalen Lernens hingewiesen, den man noch mehr als bisher für Öffentlichkeitsarbeit nutzen sollte. (2011 liegt er am 2. März.)

Außerdem ging es um eher vereinsinterne Fragen, die hier von weniger Interesse sind.

Richtig spannend wurde es bei einem Beitrag von Mario Hupfeld, der jetzt die ZUM-Seite seines Vaters (zu Biologie und etwas Mathematik) betreut. Er schlug vor, Rezensionen von populärwissenschaftlichen Arbeiten zu schreiben. Als Ort dafür erschien manchen die Seite ZUM-Buch geeignet, manche dachten eher an die ZUM-Unity, weil dort auch gleich eine Diskussion über Buch und Rezension stattfinden könne. Gleich wo das Projekt durchgeführt wird, es verspricht interessant zu werden.

Foto vom ZUM-Treffen 2010


Zwei Fotos vom Treffen 2009 mit dem gegenwärtigen Vorstand und einem Gruppenfoto von den damals vertretenen ZUM-Mitgliedern:


Nachtrag zu Jürgen Wagner:
Eben habe ich von Jürgen Wagner noch einige weitere interessante Links erhalten.

- Mitschnitte der bisherigen Online-Fortbildungen
- Wagners Blog
- seine Homepage mit anderen Materialien und Linksammlungen
- sein Newsletter
- sein Bericht über das ZUM-Treffen

Nachtrag vom 1.2.2024
Dank sei dem Web Archive, das noch ergänzende Kommentar zu diesem Artikel auf ZUM Unity zuließ!