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8.8.22

Von Schülern organisierte Vorbereitung auf das Abitur (mit Lehrerbegleitung) und Arbeitshilfen für angehende Lehrpersonen

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Kennengelernt habe ich diese von Schülern organisierte Vorbereitung aufs Abi

über einen Gastbeitrag bei Bob Blume von Nina Hanefeld und Schüler*innen, die bei Methodos oder Abinom lernen. (Beide Institutionen entstanden durch Teilung, kooperieren aber.)

10.5.19

"PISA-Chef" Schleicher zu Mathematikabitur und zum Klimawandel

"Die Pisa-Ergebnisse zeigen: Deutsche Schüler sind gut darin, etwas auswendig zu lernen. Aber sie könnten besser daran sein, Ideen zu durchdringen und kreativ mit ihnen zu arbeiten.
[...] In Deutschland trainieren die Schüler oft Rechenprozeduren. In einer japanischen Klasse stellt der Lehrer ein Problem in den Raum – und alle entwickeln gemeinsam eine Herangehensweise für die Lösung. In Deutschland wird noch immer zu viel Stoff in zu geringer Tiefe vermittelt. Ich empfehle: weniger Stoff, mehr eigenständige Auseinandersetzung. Die deutschen Schüler haben nicht leichtere Abituraufgaben, sondern besseren Unterricht verdient. [...] Für mich zeigt sich hier einmal mehr: Es ist mit vielen Problemen verbunden, dass es keine einheitlichen Prüfungen für ganz Deutschland gibt. Gäbe es sie, dann wäre es doch so: Fällt eine Prüfung zu schwer aus, ist das zwar schmerzlich. Es hätte aber keine gravierenden Auswirkungen, weil es ein Jahrgang ist, der um Studienplätze konkurriert. Ein fairer Vergleichsmaßstab ist das Abitur bislang nicht. Das sollte sich ändern.
Mathematik gilt ohnehin schon als Fach, an dem viele scheitern. Wird dieser Frustrationsfaktor nicht noch größer, wenn sie von jedem eigenes mathematisches Denken erwarten?
Eben nicht. Dieses mathematische Denken kann man trainieren – das ist nicht einfach nur Begabungssache. Mathe kann man viel besser lernen als beispielsweise Musik, die viel mit Talent zu tun hat. Die Pisa-Ergebnisse aus China und Singapur zeigen, dass sich die Fähigkeiten zum mathematischen Denken an die gesamte Schülerschaft in hohem Maß vermitteln lassen. [...] Es geht darum zu lernen, dass Mathematik eine Sprache ist, mit der sich die Realität beschreiben und gestalten lässt. Dafür ist fächerübergreifender Projektunterricht sehr gut geeignet. Die Frage, wie es mit dem Klimawandel weitergehen könnte, ist auch ein gutes Thema für den Mathematikunterricht." (Oberhessische Presse Marburg 10.5.19 - Hervorhebungen von )

Der PISA-Chef ist weit begabter als ich und hat den viel besseren Überblick. Aber er geht entsprechend seiner Funktion vom internationalen Leistungsvergleich aus, nicht von der Aufgabe der bestmöglichen Förderung der Schüler. 
An sich geht mich das laufende Mathematikabitur nichts an. Wohl aber interessieren mich verallgemeinernde Behauptungen.
Als wir in unserer Schule Besuch von japanischen Lehrern hatten, waren die beeindruckt von der Gesprächskultur im Mathematikunterricht, davon wie nach Lösungswegen gesucht wurde. Dann freilich sagten sie: Auf dieser Klassenstufe würden unsere Schüler nicht über solche Aufgaben diskutieren, sie haben sie schon weit früher behandelt.
Im Übrigen weiß ich über die Lernkultur aus Japan, China und Singapur nur aus der Presse (die Erfahrungen meines Sohnes mit Autoritätshörigkeit  an einer japanischen Universität zählen hier nicht). Dass in Japan das Phänomen, dass Schüler den Lebenszwängen ausweichen, indem sie ihr Zimmer nicht mehr verlassen, häufiger ist als in Deutschland, ist aber wohl nicht aus der Luft gegriffen. Dass China und Singapur weniger Gesprächskultur, sondern Leistungskonkurrenz gepflegt wird, wohl auch nicht.
Die Klage von deutschen Englischlehrern, dass das Zentralabitur dazu geführt habe, dass im Abitur nur noch Mittelstufenniveau gefordert sei, weil Reflexion über komplexere Inhalte ohne ein Minimum an gemeinsamer Stoffkenntnis nicht möglich sei, höre und lese ich freilich aus erster Hand in der Familie und im Internet.

Und, mit Verlaub, die Frage, wie es mit dem Klimawandel weitergehen könnte, gehört nicht in den Mathematikunterricht, sondern in die Medien, auf die Straße und endlich in die Regierungen.
Hoffentlich denkt Herr Schleicher genauso und nicht wie Christian Lindner, aber dazu wurde er ja auch nicht gefragt.

13.12.16

Bekommen Schüler wirklich immer bessere Noten?

An den Schulen, bei denen ich das beobachten konnte, hat sich mit der Einführung des Punktesystems für die Spitzenschüler der Notenschnitt verbessert. Das ist nahe liegend, weil man mit 15 Punkten die deutlich schwächeren 11 Punkte (eine ehemalige 2) zu 13 Punkten (also 1) "ausgleichen" kann.
Entsprechend verbesserte sich mit Einführung des Zentralabiturs wiederum der Notenschnitt der landesweit besten Schüler. Da Lehrer für den Leistungsvergleich nur die Leistungen innerhalb der Lerngruppe (also höchstens die der eigenen Schule, nie die innerhalb des gesamten Bundeslandes) zur Verfügung haben, werden sie in besonders guten Lerngruppen daher eher weniger Spitzennoten vergeben als in schwächeren. Für die in solchen Gruppen als "nur" gut eingeschätzten Schüler führt das dazu, dass sie im Landesdurchschnitt zur Gruppe mit sehr gut gehören.
Wie weit dieser allgemein geltende Effekt noch durch weitere Veränderungen begünstigt wurde, vermag man als einzelner Lehrer nicht zu beurteilen. Dazu muss eine größere Gruppe als er beobachten kann, untersucht werden.

Der Faktencheck des Spiegel (Faktencheck: Bekommen Schüler wirklich immer bessere Noten?, 12.12.16) scheint meine allgemeinen Vorüberlegungen zu bestätigen. Was die weiteren Veränderungen (Stichwort: Kompetenzorientierung) betrifft, liegen offenbar noch keine Untersuchungen vor, die belastbare Aussagen für das gesamte Bundesgebiet ermöglichen. Da die Testergebnisse deutscher Schüler sich aber im internationalen Vergleich seit der ersten PISA-Untersuchung verbessert haben, wäre von daher eine Verbesserung des Notendurchschnitts durchaus gerechtfertigt. - Das besagt freilich noch nicht, dass die Entwicklung des Notendurchschnitts in allen Bundesländern genau der Entwicklung des Leistungsstandes entspricht.

27.6.14

Zur Auffrischung der Französischkenntnisse: Perlen vom Bac - außerdem deutsche Stilblüten

hier auf Französisch

hier einige wenige auf Deutsch

Mir unvergesslich, aber nicht aus Abiturarbeiten:

"schlafdrungelnd"

Über Eichendorffs Mondnacht:
"Man kann sich die Seele, um bei Eichendorffs Bild zu bleiben, in weiten Schleifen um den Körper fliegend vorstellen." (12. Klasse, nach dem Abitur für die Studienstiftung vorgeschlagen)

Nicht unvergesslich, aber auch originell:

"Stirbt das Kind tot, wird das Erbe aufgeteilt."

zu "Wilhelm Tell für die Schule":
"Es ist deutlich, dass Frisch alle Urnen als dumm verkaufen will."

Über einen Ausschnitt aus Don Carlos III,10 (Gespräch Marquis Posa und König Philipp II.)
"Es ist ein Lied. Dies kann man daraus schließen, daß zuerst alle Könige singen. Normalerweise würde bei einer Predigt oder Rede nur einer reden. Verdeutlicht wird diese Behauptung auch, weil dazwischen ein einzelner Schwärmer singt und dann wieder alle zusammen."

Die eindrucksvollsten Stilblüten entstehen meiner Erfahrung nach, wenn die Aufgabe unzureichend vorbereitet worden ist. Zum Glück ist meine Sammlung nicht allzu groß. 

26.11.08

Hessen verkauft Abituraufgaben

Hessische Schuldirektoren sind streng gehalten, dafür zu sorgen, dass die Abituraufgaben des vergangenen Abiturs nicht in die Hände der Schüler gelangen, damit diese für das kommende Abitur üben können. Denn das Kultusministerium verkauft die Abituraufgaben an private Verlage.
Soll damit sichergestellt werden, dass in Hessen keine Chancengleichheit entsteht, sondern nur die Schüler üben können, die die entsprechenden Publikationen kaufen?

15.6.08

Selbstlerner

In großem Stil wird gegenwärtig in Freiburg von Externen das Abitur gemacht, die für selbstbestimmtes Lernen acht mündliche Prüfungen in Kauf nehmen. Sieben Monate haben sie sich selbst organisiert und damit einiges Risiko in Kauf genommen.

24.6.07

Wie dank Tricks auch der beste Abiturient ein Zeugnis erhält

Am 21.6. habe ich berichtet, dass die neue hessische Lehrer- und Schüler-Datenbank (LUSD) den besten Abiturienten seines Jahrgangs nicht zulassen und deshalb ihm auch kein Zeugnis drucken konnte. Ein Zeugnis musste aber sein. Da die neue LUSD aber selbst in den Fällen, wo sie Zeugnisse druckte, des öfteren falsch berechnete druckte, und da die alte LUSD unter den neuen Bedingungen zwar das Zeugnisformular, aber nur ohne Noten druckte, war wieder Not am Mann.
Der beste Abiturient hat jetzt sein Zeugnis, und das wurde mit der alten LUSD gedruckt. Wie es dazu kam, weiß ich noch nicht. Es spricht aber alles dafür, dass nicht die Programmierer der neuen LUSD helfen konnten. Die haben nämlich, wie man inzwischen weiß, deswegen keine Zeit, die Fehler ihrer neuen Version zu beheben, weil sie neue Funktionen zur Überwachung des Schulbetriebs jeder einzelnen Schule durch das Kultusministerium einzubauen haben.
Es scheint aber einen Programmentwickler der alten Version zu geben, der inzwischen aus dem Dienst geschieden ist und - weil er vom Ministerium nicht gezwungen wird, etwas anderes zu tun - aus Gefälligkeit den Schulen aushilft, wenn wieder einmal gar nichts funktioniert.
So macht er vielleicht nachträglich die alte Version funktionstüchtig (was sie während ihres offiziellen Betriebes nie gewesen ist).
Ob diese meine Vermutung stimmt oder ob ein anderer Trick gefunden wurde, muss ich erst noch recherchieren.