11.7.08

Mehr Demokratie wagen

Man hat gesagt und ich habe gesagt: Brandt hat die Studenten, die der Studentenbewegung anhingen, für die Bundesrepublik zurück gewonnen.
Wenn ich mein politisches Tagebuch von 1966/67 lese, sehe ich mehr noch das andere: Sehr viele warteten auf den politischen Wandel. Nach dem alten Adenauer, nach Erhard, der - trotz seiner anderen Ausrichtung als Adenauer - nichts wirklich Neues zustande brachte, sehnten viele sich danach, dass Demokratie auch durch den Wechsel von Regierung und Opposition ausdrücken werde, dass sie dadurch lebendig werde.
Die Große Koalition wurde von mir damals nicht als ein Zwischenspiel angesehen, sondern als den Wandel des CDU-Staats in österreichische Verhältnisse einer großen Dauerkoalition. Die Einführung des Mehrheitswahlrechts nicht als Chance für häufigeren Wechsel, sondern als Gefahr eines Festschreibens des Immobilismus: entweder weiter CDU-Staat oder Große Koalition. Beendigung demokratischen Wechsels.
Die Studentenbewegung wurde von mir ergriffen als Protest dagegen. Im Tagebuch ist nicht zu fassen, dass ich die Notstandsgesetzgebung als Schritt in einen totalitären Staat gesehen hätte.
Das stumpfsinnige Ho Ho Ho Chí Minh, die Idealisierung des DDR-Kommunismus, gar eine Mao-Verehrung waren meine Sache nicht, auch als ich als Mitbewegter Vorlesungen sprengte.
Die Wahl Heinemanns, Willy Brandts "mehr Demokratie wagen" ermöglichten es mir, nach der Studentenbewegung, die seit den Osterunruhen von 1968 mit ihrer extremen Gewalt gegen Sachen und der ausgeweiteten Gewalt gegen Personen nicht mehr meine Sache war, meine Hoffnungen auf demokratischen Wandel zu setzen.
Was hat die Studentenbewegung verändert?
Adorno, Horkheimer, Günter Anders gab es schon früher. Adorno, ein wichtiger Repräsentant der BRD vor 1968 wurde von den Studenten angegriffen und starb kurz darauf. Von seinen und Habermas' Ideen ist kaum etwas in die Studentenbewegung eingegangen. Aber sie weckte die Hoffnung, dass man als Bürger trotz alles Immobilismus' der Parteien etwas verändern könne. Sie bereitete den Boden dafür, dass Brandt in der jungen Generation enthusiastische Anhänger haben konnte.
Für mich persönlich hat sie damit Motivation geschaffen, auch in der gegenwärtigen Situation weiter für mehr Gerechtigkeit für die von der Globalisierung Ausgegrenzten einzutreten: für die Länder Afrikas, für Hartz-IV-Empfänger, auch wenn die Große Koalition sie abgeschrieben zu haben scheint.

1 Kommentar:

tamara.specht hat gesagt…

Liebe Bloggerin, lieber Blogger,


im Rahmen meiner Bachelorarbeit führe ich eine Befragung unter Lehrerinnen und Lehrern sowie Referendarinnen und Referendaren durch, die ein Weblog betreiben, welches sich auch mit dem Thema Schule auseinandersetzt. Ziel meiner Arbeit ist es, erste Erkenntnisse über Lehrer-Weblogs zu gewinnen.

Aus diesem Grund wende ich mich heute an Sie. Ich möchte Sie bitten, sich bis zum 3. August 2008 etwa 15 Minuten Zeit zu nehmen und den Online-Fragebogen auszufüllen. Alle Angaben sind natürlich vollkommen anonym und werden nur für wissenschaftliche Zwecke im Rahmen meiner Bachelorarbeit an der Professur für Medienpädagogik der Universität Augsburg betrachtet. Ich zähle auf Sie!

Und hier geht es zur Umfrage: http://bscw.uni-augsburg.de/survey/index.php?sid=59

Falls Sie an den Ergebnissen meiner Umfrage interessiert sind, haben Sie am Ende des Fragebogens die Möglichkeit, eine E-Mail-Adresse zu hinterlassen.

Sollten Sie Fragen oder weitere Anregungen zur Untersuchung haben, wenden Sie sich gerne per E-Mail an mich: tamara.specht@gmx.net.


Herzliche Grüße und schon jetzt vielen Dank für Ihre Teilnahme,

Tamara Specht