14.8.14

Wikipedia, Journalismus und angebliche Forschung

"Am 29. Juli erschien in der Neuen Zürcher Zeitung ein Artikel, der sich wohlwollend mit der Wikipedia, insbesondere dem Schutz vor Fakes, Vandalismus und Werbung befasst. Die NZZ berichtete von vier Falscheinträgen, die von Studierenden der Uni Gießen zu Testzwecken in der Wikipedia untergebracht worden waren. Drei Fake-Artikel und eine unrichtige Aussage seien schnell oder nach einigen Wochen gelöscht worden, heißt es da mit einem Lob für die funktionierende Kontrolle innerhalb der Wikipedia."

So beginnt ein Artikel im Wikipedia Kurier, in dem scharfe Kritik an der Produktion von Fehlern in der Wikipedia für angebliche Forschung geübt wird. Man kann ihn dort nachlesen. 

12.8.14

Der wohltätigkeitsindustrielle Komplex setzt mehr Geld um als der Rüstungssektor

Das gilt jedenfalls für die USA. Ein wesentlicher Faktor ist dabei die Stiftung von Bill Gates, die u.a. weltweit Malaria bekämpft und an der sich Warren Buffet mit einem Milliardenbetrag beteiligt hat. 
Prominentester Kritiker des wohltätigkeitsindustriellen Komplexes ist Warrens Sohn Peter Buffet, der im Sommer 2013 in der New York Times die Aktivitäten  Charitable-Industrial (wohltätigkeits-industriell) Complex kritisch beleuchtete und von philanthopic colonialsm (Mäzenatenkolonialismus) und conscience laundering (Gewissenswaschanlage) sprach.

Wohltätigkeit erleichtere die Entscheidung für moralisch fragwürdige Geschäfte. Selbst Mikrokredite hätten den fragwürdigen Effekt, mehr Menschen in das System von Kredit und Zinsen einzubinden. (vgl. Graeber: Schulden)*

Zu diesem Zusammenhang sieh auch Heike Buchter "Fluch des Geldes" (ZEIT Nr.33, 7.8.14, S.24), auf den mein Blogeintrag sich - neben Wikipediabeiträgen - stützt. 

Zur Behauptung in der Überschrift dieses Blogbeitrags:
Das Urban Institute sieht den Beitrag der gemeinnützigen Institutionen bei 800 Milliarden Dollar, den des Rüstungssektors bei rund 400 Milliarden.

*Peter Buffet folgt übrigens nicht der Theorie David Graebers, dass es Tauschhandel erst nach der Erfindung des Geldes gegeben habe, vorher sei mit einfachen Formen des Kredits gearbeitet worden. Laut ZEIT sagte er. "Es wird immer Märkte geben, Menschen haben schon seit Urzeiten getauscht und gehandelt." Buffet geht es nicht um eine Abschaffung des Kapitalismus, sondern darum, ihn menschlicher zu gestalten.
(Wenn der ZEIT-Artikel im Internet zur Verfügung steht, soll er hier verlinkt werden.)

6.8.14

Augusterlebnis 1914

100 Jahre nach Kriegsbeginn, 57 Jahre nach Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft sollte ein weniger verzerrtes Bild des "Europäischen Bürgerkrieges", wie man den Ersten und Zweiten Weltkrieg zusammenfassend genannt hat, möglich sein.
Wie von Verteidigern der Fischerschen Thesen in der Diskussion über "Griff nach der Weltmacht" schon damals angedeutet wurde, hat die Öffnung der Akten anderer europäischer Staaten eine klarere Sicht auf die Kriegsbereitschaft auch in diesen Staaten möglich gemacht. Christopher Clarks hat in "Die Schlafwandler"* den kollektiven Weg in den Krieg dargestellt. Den Versuch, daraus eine Unschuldsthese für die deutsche Führung von 1914 zu basteln, wurde zu Recht zurückgewiesen.* Im Einzelnen wird die wissenschaftliche Diskussion weitere Differenzierungen erbringen.
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                       Meldungen vom August 1914
Beispiele:

Paris, 1. August. Gestern Abend gab ein gewisser Raoul Villain in einem Kaffeehaus mehrere Revolverschüsse auf den Sozialminister Jaurès ab. Jaurès wurde am Kopf getroffen und starb bald darauf. Der Mörder ist 29 Jahre alt und Sohn eines Schreibers am Zivilgericht in Reims.[...] " ("Ein Edelopfer des internationalen Blutrausches" Vorwärts 2.8.1914)

  "Die Dinge nehmen ihren unerbittlichen Verlauf. Ganz Europa gleicht nach der allgemeinen Moblilisierung einen einzigen Heerlager. Die Eisenbahnen und alle anderen Verkehrmittel dienen jetzt dazu, Millionen von Bewaffneten nach den Stätten kriegerischer Entscheidungen zu tragen. Die ersten Vorpostengeplänkel haben eingesetzt, bald wird die Kunde von großen Schlachten und gewaltigen Menschenopfern die Welt durchdringen.„Es ist grauenvoll, diesen weltgeschichtlichen Wahnsinn bis in seine letzten Konsequenzen auszudenken.“ So schrieb die „Vossische Zeitung“ heute Abend. Wir können ihr nur rückhaltlos zustimmen.Milliardenwerte und unabschätzbare Kulturgüter, millionenfache Menschenkräfte und unabwägbares Menschenglück werden jetzt einem Vernichtungswerk geopfert, dem an gigantische Größe kein gleiches in der Weltgeschichte zur Seite zu stellen ist. Söhne unseres Volkes, darunter viele Freunde unserer Sache sind es, die das blutige Ringen ausfechten müssen. Wirtschaftsleben und Familienglück liegen überall darnieder. [...]" (Die eisernen Würfel rollen, Vorwärts 3.8.1914) 

  "Halbamtlich wird mitgeteilt: „Heute, Dienstag nachmittag, kurz nach der Rede des Reichskanzlers, in der bereits der durch das Betreten belgischen Gebiets begangene Verstoß gegen das Völkerrecht freimütig anerkannt und der Wille des Deutschen Reiches, die Folgen wieder gut zu machen, erklärt war, erschien der großbritannische Botschafter Sir Edward Goschen im Reichstag, um den Staatssekretär v. Jagow eine Mitteilung seiner Regierung zu machen. In dieser wurde die deutsche Regierung um alsbaldige Antwort auf die Frage ersucht, ob sie die Versicherung abgeben könne, daß keine Verletzung der belgischen Neutralität stattfinden würde. Der Staatssekretär v. Jagow erwiderte sofort, daß dies nicht möglich sei, und setzte nochmals doe Gründe aneinander, die Deutschland zwingen, sich gegen einen Einfall einer französischen Armee durch Betreten belgischen Bodens zu sichern. Kurz nach 7 Uhr erschien der großbritannische Botschafter im Auswärtigen Amt, um den Krieg zu erklären und seine Pässe zu fordern. [...]" ("England erklärt Deutschland den Krieg" Berliner Tageblatt 5.8.14)
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 Bemerkenswert erscheint mir in diesem Kontext ein Artikel  in der Frankfurter Rundschau vom 2.8.14 (publiziert wurde er im Rahmen der sehr verdienstvollen Artikelserie der FR zum Ersten Weltkrieg):
"Das Begehren nach dem Blutopfer" von Christian Thomas.
Darin schreibt er über das Augusterlebnis 1914 "von einer ungeteilten kollektiven Euphorie kann keine Rede sein", trägt dann aber eine Menge Belege für die Bereitschaft, sich für 'Volk und Vaterland' zu opfern, zusammen. Dazu gehört, dass die sozialdemokratischen Abgeordneten trotz ihres Boykotts der Reichstagssitzung, in der Wilhelm II. den Kriegsbeginn rechtfertigte, dann doch - mit zwei rühmlichen Ausnahmen - den Kriegskrediten zustimmte. Ja, sogar die Deutsche Friedensgesellschaft habe sich der allgemeinen Opferbereitschaft nicht entgegenstellen wollen. (Hier hätte mich ein Beleg sehr interessiert.)
Dass in der Bevölkerung die Trennung von Vätern, Söhnen und Brüdern nicht allgemein begrüßt worden ist, dass man ihrem Tod nicht allgemein freudig entgegengesehen hat, darf als sicher gelten, auch wenn öffentliche Organe nicht darüber berichtet haben und die Filmbilder von jubelnden Kriegsfreiwilligen das nicht dokumentiert haben. Die Euphorie war nicht ungeteilt. Doch das "August-Erlebnis" hat Thomas eindrucksvoll belegt.

Aus Harry Graf Kesslers Tagebuch aus den ersten Augusttagen 1914:

"Die Menge macht einen weit sichereren, weniger berauschten Eindruck als gestern. Die Sicherheit, dass es in den Krieg geht, hat Alle gefestigt. [...] " 1.8.1914

Die Stimmung hier beim Regiment ist dieselbe wie in Berlin; eine ruhige, heitere Zuversicht ohne Rausch: man weiss, dass der Krieg furchtbar sein wird, dass wir vielleicht zeitweise Rückschläge erleiden werden, vertraut aber auf die Charakter Eigenschaften der Deutschen, auf Pflichterfüllung, Ernst und Beharrlichkeit, dass sie uns schliesslich den Sieg erringen müssen.  [...] Alles ist sich klar darüber, dass dieser Krieg Deutschland die Weltherrschaft oder den Untergang bringen muss. Seit Napoleon ist kein so hohes Spiel gespielt worden.  [...] " 3.8.1914

vergleiche auch: 2.8.1914 und 4.8.1914

T. Bendikowski ZEIT Nr.01/2014
K. Pätzold in der jungen welt 1.8.2014 über das Augusterlebnis


Dieser Blogeintrag erschien in kürzerer Form zuerst unter
Fontanes Schnipsel.
In der ergänzten Form lädt er jetzt meiner Meinung nach
genügend zum Quellenstudium ein, dass man sich auch als
historischer Laie ein Bild von der von Besorgnis wie von
Kriegsbegeisterung gekennzeichneten Stimmung machen kann.
Man wird sich kein fundiertes historisches Urteil bilden können,
aber doch wohl einseitigen Darstellungen nicht mehr
ohne weiteres vertrauen.

*Clarks Titel spielt auf Hermann Brochs Trilogie 
"Die Schlafwandler" an.
* Dazu u.a. Jens Jessen: Das Märchen vom Revisionisten, ZEIT 14.8.14
Daraus ein Zitat:
"Die Ahnung, dass Politiker heute angesichts ähnlicher Konflikte nicht souveräner und moralischer handeln als unsere Vorväter, setzt eine Melancholie frei, die jeden Fortschrittselan hemmt."

mehr zu 1. Weltkrieg bei teachsam

Schülerprojekt zum Ersten Weltkrieg

Besonders anschaulich Sebastian Haffners
Dokumentation zur Marneschlacht


30.7.14

"Es war Gorbatschows Revolution"

Was in der Aufregung über Putin oft vergessen wird: 
Weshalb traut man sich heute von Russland die Einhaltung des Völkerrechts zu fordern? 
Weshalb kann die EU mit - beschränkter - Aussicht auf Erfolg Sanktionen beschließen, um Russland auf einen anderen politischen Kurs zu drängen? 
Zur Zeit des Mauerbaus 1961 haben die USA keine ernsthafte Konfrontation mit der DDR versucht. Was ist heute grundlegend anders?

Es gibt keine Sowjetunion mehr. Die Gefahr eines Weltkrieges, die in der Kubakrise 1962 unmittelbar drohte, liegt - scheinbar? - in weiter Ferne. Denn der Kalte Krieg ist beendet. 
Das war Gorbatschows Leistung. 

Tony Judt sieht in "Postwar" Gorbatsschows Leistung durchaus kritisch. Er spricht davon, seine Kritiker seien hellsichtiger gewesen. Taktisch habe Gorbatschow geglaubt, die deutsche Wiedervereinigung verhindern zu können, obwohl er alle kommunistischen Satellitenregierungen bewusst aufgegeben habe mit der offenen Aussage, die Völker müssten selbst über ihren Weg entscheiden. 
Ganz deutlich erkennt er aber Gorbatschows strategische Leistung an, die Auflösung des großen Imperiums so unblutig und so schnell bewältigt zu haben, und fasst seine Einschätzung der Demokratisierung Osteuropas zusammen mit dem Satz: "Es war Gorbatschows Revolution."


Meine eigene Sicht auf Gorbatschow möchte ich zunächst anhand meiner Einschätzung von 1991 beschreiben:
Die Folgewirkungen dessen, was Hitler und Stalin an Unheil über die Welt gebracht haben, hat er in einem Ausmaß beseitigt, wie man es zuvor wohl nicht für möglich gehalten hätte. Er hat vorgeführt, daß das Blocksystem von einer Seite her aufzulösen war, ohne daß das den Gegner zur Übernahme des anderen Blocks bringen würde. (Ob das von der westlichen Seite her auch hätte funktionieren können, wird, da das Experiment nicht gelaufen ist, vermutlich historisch umstritten bleiben.) […] Fazit: ein großer Mann, der mir umso größer erscheint, je mehr von den Schwierigkeiten, die auf ihn zukamen, [er] vorausgesehen haben sollte, gerade deswegen, weil seine Größe in seinem Mut bestand, das Mögliche, aber unmöglich Scheinende zu wagen. Je geringer sein Mut gewesen sein sollte, umso stärker muß die Reformkraft in der Sowjetunion gewesen sein. (1991)
23 Jahre darauf möchte ich Folgendes ergänzen:
Bei aller Anerkennung von Gorbatschows Leistung bleibt festzuhalten, dass es ihm nicht gelungen ist, die Sowjetunion und ihre sozialstaatlichen Elemente zu erhalten. Er hat die Blöcke also auf Kosten des sozialen Friedens im eigenen Land beseitigt, was er freilich durchaus nicht beabsichtigt hatte.
Aus dem Europäischen Haus und aus der Friedensdividende ist nicht viel geworden. Das kann man freilich nicht ihm zuschreiben, auch wenn er in dieser Hinsicht im Nachhinein - wie so viele damals - historisch gesehen zu optimistisch war. 

Die rabiaten Wirtschaftsreformen führten dann aber zu einer solchen Diskrepanz zwischen dem Reichtum und Einfluss der Oligarchen und der Hilflosigkeit der notleidenden Bevölkerung, dass es zwingend wurde, die staatliche Autorität wieder zu stärken. Die Mittel, mit denen das Putin gelang, wird man nicht billigen, dass etwas in dieser Richtung geschehen musste, scheint mir unzweifelhaft.
Im Nachhinein ist insofern manches von Putins rechtsstaats- und menschenrechtswidrigen Methoden (vgl. z.B. Klaus Staeck) eine Folge des partiellen Scheiterns von Gorbatschow. 
Doch wenn man vergleicht, was George W. Bush aus den innenpolitisch wie außenpolitisch relativ solide aufgestellten USA gemacht hat, wie viele Kriege und Kriegsverbrechen er zu verantworten hat, wird aus der Außensicht Putins Politik der Überwindung der politischen und wirtschaftlichen Krise Russlands als maßvoll angesehen werden können. 

Wenn man Obamas Wirken mit dem Gorbatschows vergleicht, so hat Obama wohl auch nicht mehr von seinen Zielen erreicht als Gorbatschow. Dagegen war Putins Erfolgsquote gewiss höher. Freilich hat er ethische Maßstäbe noch weit eher verleugnet, als Obama es im Laufe seiner Amtszeit zum Entsetzen seiner Anhänger - nur gezwungenermaßen? - getan hat.

Ich wüsste keinen Politiker zu benennen, der sich ein so gewaltiges politisches Ziel gesetzt hat, wie Gorbatschow und so konsequent bei seinen ethischen Maßstäben geblieben ist. (Nelson Mandela hat seine weltweit vorbildlichen ethischen Maßstäbe in 27 Jahren Haftzeit entwickelt und sein Ziel war im Weltmaßstab bescheidener.)

24.7.14

Elektroschrott und journalistische Recherche

Ein Joghurt kostet weniger als 1 Euro, seine Zutaten legen mehr als 1000 km zurück und alle Transporteure verdienen daran.
Ein kaputter Fernseher ist hierzulande kaum sinnvoll zu reparieren. Wird er illegal nach Afrika transportiert, bekommt er plötzlich Wert (z.B. 27 - 70 Euro). Dafür legt er Tausende Kilometer zurück und alle Zwischenhändler und Transportunternehmen verdienen daran.
Als Lehrer habe ich Schülern etwas über den Zusammenhang von Klimaerwärmung und den Wegen von Joghurtzutaten beigebracht. Als Blogger schreibe ich über die Wege von Elektroschrott. Das, was ich weitergebe, verdanke ich journalistischer Recherche. Ich hätte weder Zeit, Energie, Expertise noch den Apparat für solche Recherchen. Auch Politiker verdanken es meist Journalisten, wenn sie erfahren, dass ein Gesetz den gegenteiligen Effekt hat, von dem, was der Gesetzgeber beabsichtigt hat.
Lehrer und Politiker können ihre Arbeit nicht tun, wenn es die Voraussetzungen für aufwändige Recherche nicht mehr gäbe. Edward Snowden war darauf angewiesen, dass er sein Material gut vernetzten Journalisten mit umfangreichen Ressourcen im Hintergrund übergeben konnte. Ein einzelner Blogger hätte ihm dafür nichts gebracht.
Ob man von Qualitätsjpurnalismus sprechen will oder nicht, wir brauchen mächtige Apparate, die die Voraussetzungen für aufwändige Recherchen schaffen können.
So sehr ich die Informationen aus anderen Blogs schätze: Wenn Blogs den Zeitungsverlagen den Boden entziehen könnten, so wie es die Wikipedia bei den traditionellen Enzyklopädien geschafft hat, wäre das ein unersetzlicher Schaden.
Wie ich darauf komme? In der ZEIT Nr. 31 vom 24.7.14, S.13ff wird der Weg von verschrotteten Fernsehern akribisch nachverfolgt. Der eine geht an eine private Entrümplungsfirma und landet in Afrika. Der andere wird zu einer kommunalen Wertstoffsammelstelle gebracht, kommt zu einer regionalen Entsorgungsfirma und landet - auf seinem Weg ständig per Sender genaue Positionsmeldungen abgebend - auch in Afrika.
Wer wollte das auf eigene Faust recherchieren?

Was für Schlüsse man daraus ziehen soll?
Da sind wir wieder bei der Aufgabe eines Blogs. Da - wohl aufgrund des Verbots des Exports funktionsuntüchtiger Elektrogeräte - immerhin 35% dieser Geräte in das deutsche Recyclingsystem gelangen, erfüllt das Gesetz einen Sinn. Freilich ist es nicht so wirksam, wie es sein sollte.
Doch gelangen so weniger Fernseher auf die Elektromülldeponie Agbogbloshie.

Laut Wikipedia haben schon Greenpeace und die BBC den Weg defekter Fernseher verfolgt:
Greenpeace verfolgte jedoch einen funktionsuntüchtigen Fernseher mit einem eingebauten Peilsender von einem Londoner Recyclinghof bis nach Nigeria. Auch die BBC konnte den Weg eines defekten TV-Sets von einer Londoner Straße bis nach Ghana verfolgen.[2]:S. 6.
Brauchen wir also keine Zeitungen, weil wir ja NGOs und Rundfunkanstalten haben (wie z.B. das ZDF).

Mehr zum Thema Schrott (beliebig herausgegriffen):
Auf der Jagd nach dem Müll, Kölner Stadt-Anzeiger, 14.4.14

GEWERBLICHE SAMMLER. Mit Musik auf der Jagd nach Schrott, Rhein-Erft Rundschau, 24.7.13

23.7.14

Inklusion - Integration

"Vielen Eltern mangele es am Bewusstsein, dass ihre schwerhörigen Kinder, vor allem wenn sie auf die Regelschule gehen, den Kontakt zu anderen schwerhörigen Kindern brauchen, um mit ihrer Behinderung zurechtzukommen." (Maryanne Becker: Klänge aus dem Schneckenhaus, 2008, S.51)

Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer hat davor gewarnt, Inklusion "mit der Brechstange" zu betreiben und in einem Sechs-Punkte-Katalog ein anderes Bewertungssystem für Schulabschlüsse gefordert. [...]"Dort, wo eigentlich maßgeschneiderte individuelle Unterstützung der Betroffenen nötig wäre, greifen zunehmend unversöhnliche Positionen und der Wettlauf um vermeintlich beste Inklusionsquoten um sich", schreibt die CDU-Politikerin in einem Beitrag für DIE ZEIT. "Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass dabei der gesunde Menschenverstand, ein nüchterner Blick für Möglichkeiten und Zeitkorridore und vor allem die Bedürfnisse der Betroffenen auf der Strecke bleiben." (Bildungsklick: Inklusion nicht "mit der Brechstange", 23.7.14)
Wichtig ist gewiss, dass Eltern wie Kinder früh verstehen, worin die Unterschiede zwischen der Erlebniswelt dieser Kinder und ihrem Umfeld bestehen, so dass sie angemessene Unterstützung einfordern können. Dazu brauchen Eltern wie Kinder Umgang mit Personen mit ähnlicher Behinderung, die schon mehr Erfahrung haben, damit sie eine realistische Einschätzung gewinnen können.
Das heißt nicht, dass die Kinder nicht in eine Regelschule gehen dürften, wohl aber, dass sie die Normalität ihrer Behinderung erfahren können und sich nicht als Wesen eine besonderen Art verstehen.
"Nina ist überwältigt von dieser Erfahrung, einmal nicht Außenseiterin zu sein und das Gefühl zu haben, dass andere Jugendliche sich in ihre Lage hineinversetzen können."  (Maryanne Becker: Klänge aus dem Schneckenhaus, 2008, S.65) 
Plädoyer für Inklusion auch von verhaltensauffälligen Schülern, Zeit 20.6.14

"Wenn im Leistungssport Inklusion und Fairplay aufeinandertreffen, wird es kompliziert."
(Behinderter Weitspringer Rehm: "Ich will einen richtig geilen Wettkampf", SPON 24.7.14)


Gemeinsames Lernen mit Behinderten verunsichert Lehrer, WAZ 10.8.14
Inklusion in der Schule in NRW, WDR 4.9.14

SOS Inklusion: "Zur Zeit wird das Personal an den Schulen verheizt", bildungsklick 7.11.14

Über den Sinn von Inklusion und wie sie in Misskredit gebracht werden kann, NachDenkSeiten, 13.11.14

Erfolge mit Inklusion  14.5.18

19.7.14

Wahl des Lehrerblogs 2014 - Zwischenbilanz

Das Unwichtigste zuerst: Es haben sich keine wesentlichen Veränderungen gegenüber der letzten Zwischenbilanz ergeben.

Wichtiger:
Es gibt Möglichkeiten, das Ergebnis der Wahl informativ und spannend zu gestalten.

Kurz rekapituliert: 
Wenn man alle Stimmen rechnet, die abgegeben worden sind, gibt es einen klaren Sieger. So eindeutig wie im Halbfinale zwischen Brasilien und Deutschland. (Für nicht-Fans: Ich beziehe mich auf das 7:1 bei der Fußball-WM der Männer 2014.)
Wenn man - wie vorgesehen - nur Stimmen von nachgewiesenen Lehrerbloggern rechnet, wird das Ergebnis so knapp wie im Finale zwischen Argentinien und Deutschland. Eine Stimme kann entscheiden, noch aber hat noch nicht einmal die Nachspielzeit angefangen, geschweige die Verlängerung.

Jetzt das, was das Spiel (die Wahl) interessant machen könnte:
Wenn es uns nicht um den Zufallssieger geht, sondern um die Spieler, für die wir die vielen Millionen Ablösesummen zu zahlen bereit sind (weniger metaphorisch ausgedrückt: die Blogs, die es - aus unserer Sicht - zu lesen lohnt), dann sollte man sich nicht nur an die Stimmen halten, die abgegeben worden sind, sondern an die Blogs selbst oder, wenn das zu mühsam ist, an die Beschreibungen und Bewertungen der Blogs, die es inzwischen gibt und die noch entstehen werden.
Dann kann auch das Desiderat erfüllt werden, dass es nicht nur einen Sieger gibt, sondern für jede Sparte einen: einen besten Tormann, einen besten Verteidiger, Stürmer (also eine(n) Lehramtsstudierende(n), Grundschul-, Hauptschul-, Sonderschul-, Gymnasial-, Berufsschul-, Französisch-, Religionslehrerin u.a.).

Wie kann das erfüllt werden?
Wenn jeder, der sein Urteil begründen kann, im ZUM-Wikiartikel Lehrerblogs bei dem betreffenden Blog eine Anmerkung einfügt, in der er auf seine Beschreibung/Bewertung verlinkt oder diese in der Anmerkung selbst festhält. Ich selbst werde meine Artikel zur Vorstellung von Lehrerblogs dort nach und nach verlinken.
Wie das technisch funktioniert, kann man dann dort nachsehen. Bei Gelegenheit werde ich es aber auch hier erklären. Freilich wird das für die meisten Leser ein "Eulen-nach-Athen-tragen" bedeuten, denn welcher Lehrerblogger kann noch nicht mit einem Wiki umgehen???

Beim Lehrerzimmer von Herrn Rau habe ich eben nach Klicken auf [bearbeiten] über dem Abschnitt zu Lehrerzimmer Folgendes eingetragen:
::Diesen Blog zu loben heißt [http://fontanefan.blogspot.de/2014/04/eulen-nach-athen-tragen.html Eulen nach Athen tragen].
Das Ergebnis sieht dann so aus:
Diesen Blog zu loben heißt Eulen nach Athen tragen. Es verweist auf den Artikel, in dem ich über einige Blogs geschrieben habe:
Auf Herrn Raus Lehrerzimmer, Jochen Englisch, Frau Wehs Kuschelpädagogik, Frau Streng und Herrn Larbig (u.a. mit educhat) aufmerksam machen zu wollen und noch dazu von meinem kleinen Blog aus, hieße Eulen nach Athen tragen, und wäre nahezu vermessen.
Wenn man einen etwas längeren Kommentar direkt ins Wiki schreiben will, kann man das auch in einer Anmerkung tun. Das schreibt man z.B. so:
Daniel Bernsen schreibt auf hohem Niveau, hält enge Verbindung zur universitären Geschichtsdidaktik und bietet sehr anschauliche Materialien. Am 11.7.14 hat er kurz [http://geschichtsunterricht.wordpress.com/2014/07/11/5-bloggeburtstag/ seinen eigenen Blog], aber vor allem die Situation von Geschichtsblogs und der Diskussion zu Geschichte und Geschichtsdidaktik in digitalen Medien vorgestellt. -- Fontane44, 24.7.2014
Das sieht dann so aus (nur dass dort statt 1. wegen des Kontextes ein 2. steht):
  1. ↑ Daniel Bernsen schreibt auf hohem Niveau, hält enge Verbindung zur universitären Geschichtsdidaktik und bietet sehr anschauliche Materialien. Am 11.7.14 hat er kurz seinen eigenen Blog, aber vor allem die Situation von Geschichtsblogs und der Diskussion zu Geschichte und Geschichtsdidaktik in digitalen Medien vorgestellt. -- Fontane44, 24.7.2014
Noch etwas
Vielleicht steht der beste Lehrerblog noch gar nicht in dem ZUM-Wikiartikel. Für den Fall bitte ich dringend darum, ihn einzutragen. Das kann man mit dem eigenen Blog machen oder mit jedem beliebigen anderen Lehrerblog, den man kennt.

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