3.2.11

Digitaler Selbstmord oder digitaler Scheintod?

"Frauke Lüpke-Narberhaus will es wissen: Sie hat ihr digitales Leben beendet." So berichtete Spiegel online am 3.2.2008.
Sie erläuterte ausführlicher:
Drei Jahre habe ich mich in den Netzen von StudiVZ, Facebook und Xing verstrickt. Ich gehörte zwar nicht zu jenen Nackedeis, die sich online komplett entblößen und ihre Privatsphäre ins Internet stellen. Und trotzdem: Ich habe gratuliert, geschrieben, gegruschelt, genetzwerkt, gemustert, gelästert, gelacht. Das ist ab heute vorbei. Ich steige aus.

Heute - nach drei Jahren - berichtet sie wieder in Spiegel online:
Mein digitaler Selbstmord ist gescheitert. Drei Jahre lang versank ich regelmäßig bei Facebook, StudiVZ und Xing, bis ich im Februar 2008 genug hatte und dieses digitale Leben beendete. Andere würden sagen, ich habe mir maximal den digitalen kleinen Finger abgeschnitten, denn E-Mails schrieb ich genauso wie zuvor, und auch auf Online-Banking verzichtete ich nicht.[...] Ohne Facebook mailte und simste ich mit meinen Freunden, statt Nachrichten zu schreiben.

Als sie dann zu Facebook zurückkehrt musste sie feststellen: "Facebook ließ mich damals nicht sterben [...] Ich wollte ein neues Leben beginnen, aber mein altes war noch da. Für einen Neubeginn bei Facebook brauchte ich eine neue E-Mail-Adresse."

Der "Selbstmord" gelang also erst bei der Rückkehr. Bis dahin war sie nur scheintot, so wie ich es auch bin, der ich ein paar Wochen bei Facebook war und mich vor einigen Monaten abgemeldet habe.
Ihr neues Leben hat sie damit begonnen, Facebook anders zu nutzen: "Ich nutze es kaum noch, um mich abzulenken, sondern fast nur noch, um mich bewusst zu informieren, zu kommunizieren und zu recherchieren."

Ob sie uns wohl auch davon berichten wird, wenn ihre Nutzung sich wieder hochschaukelt und sie gar wie nach einer Abmagerungskur einen Jo-Jo-Effekt erlebt?
Lästern sollte ich keineswegs. Mein einziger Scheintod war beim Karl-May-Wiki. Sonst versuche ich meine Wikis und Blogs halbwegs regelmäßig zu bedienen, auch wenn's bei dem einen leichter fällt als bei dem anderen ...

1 Kommentar:

Horst Sievert hat gesagt…

Ich beobachte unter den Nutzern dieser sozialen Netze Menschen mit sehr unterschiedlichen Gewohnheiten. Das reicht von "überall dabei sein" (wie bei der zitierten Aussteigerin) bis hin zu "ganz vorsichtig versuchen" (2 Beiträge bei Twitter und Account verschlossen).

Für mich liegt die Wahrheit in der Mitte: Wenige Netze nutzen (Twitter, Facebook), Erfahrungen sammeln (regelmäßig und sachlich schreiben, beobachten)und vor allen Dingen mit durch diese Dinge mit Jüngeren im Gespräch bleiben und nicht "miesepeterig" werden ;=).